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Das Experiment Kaiser Friedrichs
Nähe und Zuwendung
Die Haut
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von Eva Laspas
Unsere Haut ist das erste und empfindlichste Organ, mit dem wir unsere Umwelt wahrnehmen. Schon der Säugling nimmt über die Haut Kontakt zur Umwelt auf. Mit nach innen gewandter Aufmerksamkeit "lauscht" er den Empfindungen, die er verspürt, wenn man sachte über seine Haut, seinen Bauch oder seine Beinchen streicht.
Tiere lecken ihre Babys nach der Geburt ab, das bringt Magen-Darm-System in Gang, erhöht den Sauerstoffgehalt im Blut und steigert somit die Beweglichkeit und Kraft der Muskeln.
Wir Menschen bedienen uns nicht des Ableckens, doch Forscher, wie zum Beispiel Ashley Mantagu ("Körperkontakt") sehen die Geburtswehen als gleichrangige Stimulation an.
Die Mutter wird dann durch die Hormone Prolaktin und Oxytocin darauf eingerichtet, das Kind zu stillen und zu streicheln. Das Streicheln brauchen beiden, Mutter und Kind. Der Säugling fühlt sich in der Welt angenommen und erfährt über die wohligen Gefühle positives Feedback, damit stärkt sich sein ganzer Organismus, er bekommt ein gesundes Immunsystem.
Kinder, denen Nähe und Wärme fehlen, jammern und weinen. Sie entwickeln oft akute Depressionen, Mangel an Appetit, Gewichtsverlust und oft sogar einen Kräfteverfall, der zum Tode führen kann.
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Kaiser Friedrich II (1194 - 1250) führte ein echt grauenhaftes Experiment durch, denn er wollte herausfinden, welche Sprache Kinder entwickeln würden, spräche niemand mit ihnen.
So waren also die Ammen angewiesen, seinen Versuchskindern zwar die Brust zu geben und sie körperlich zu versorgen, aber unter keinen Umständen mit ihnen zu sprechen oder sie zu herzen. Somit würde er herausfinden, in welcher Sprache sie zu sprechen begännen. Sie sprachen in keiner, denn alle Kinder starben.
Ihnen fehlte das Streicheln, das Kosen, das Sprechen und Singen - ihnen fehlte die gesamte Lebensbasis. Säuglinge sterben am Berührungsmangel, doch in Wahrheit leiden alle Menschen an ihm.
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In Liebesbeziehungen zwischen Erwachsenen gibt es auch Nähe und Zuwendung in Form von Streicheleinheiten - es geht darum, Wärme zu spüren, die Haut des Anderen an seiner zu fühlen - es geht um Geborgenheit. (Nachdem wir uns in einer zunehmenden Singel-Gesellschaft befinden steigt der Bedarf an Haustieren, sie sollen den Singeln den Partner ersetzen und Wärme spenden.)
Singel, zu denen auch Jungendliche und ältere alleinstehende (unfreiwillige) Singel zählen, gelten selbstmordgefährdeter als Menschen, die in Beziehungen leben. Japanische Wissenschaftler entdeckten einen Zusammenhang zwischen Alleine schlafen und Selbstmordgefährdung, das alleine Schlafen gäbe ein Gefühl der Isolation und Entfremdung. (Nun ja, es kommt darauf an, wenn der Partner einen mit Schnarchen wach hält, könnte das Zusammenschlafen auch lebensgefährlich wirken - für den schnarchenden Partner...)
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Unsere Haut nimmt Signale auf, gibt sie weiter und reagiert wie jedes andere Organ. über die Haut reguliert unser Körper seine Körpertemperatur, über sie entgiftet auch unser Darm, wenn er selber nicht mehr entgiften kann.
Wenn der Mensch überleben soll, dann ist es wichtig, dass er seine Haut stimuliert. Ein Massageschwamm, trockenfrottiert nach dem Baden oder eine klassische Massage - ohne die Berührung an der Haut können wir nicht überleben.
"Nähe und Berührung machen uns stark, wir werden selbstsicher und fühlen uns Teil des Ganzen. Wer im Leben weiterkommen möchte, muss berühren und sich berühren lassen. Sein Wohlergehen hängt tatsächlich davon ab, ob er mit anderen in Berührung kommt." Schreibt Cornelia Mangelsdorf in ihrem Buch "Sinnlichkeit". Und gibt auch gleich folgenden Tipp: Ein warmes Bad gibt auch mollige Wärme, wenn gerade mal kein Partner oder Familienmitglied vorhanden ist.
PartnerInnen müssen nicht unbedingt sein, es dürfen auch Freunde, Nachbarn, Eltern oder Großeltern sein, die man tröstende über den Rücken streicht, am Arm berührt, in die "Seite stößt" oder sogar Fremde, denen man hilfreich in Bus oder Bim die Hand reicht, wenn sie stolpern - kleine Brührungen, die Verbundenheit bedeutet und der Seele Nahrung geben.
In südlichen Kulturen ist das Gang und Gebe. Wenn dort zum Beispiel eine ältere Dame im Bus wankt, weil der zu schnell bremst, strecken sich gleich viele Händepaare aus, um ihr zu helfen. Es wird gelacht und geredet und sich über die Fahrweise lustig gemacht.
Griechische Männer im Gespräch unter sich klopfen sich oft auf die Schulter oder auf den Rücken - alles Balsam für die Seele.
Unsere Kultur lässt diese kleinen Berührungen, wie sie zum Beispiel in südlichen Ländern unter Gleichgeschlechtlichen üblich ist, leider nicht wirklich zu, doch warum ändern wir das nicht?
An wem liegt es, eine andere Kultur in Sachen "Nähe" zu kreieren? Doch wohl an uns. Vorbei die Tage unserer Großeltern, wo Berührungen unter Fremden sowieso, innerhalb der Familie meist tabu waren. Nehmen wir uns doch ein Beispiel an anderen warmherzigeren Kulturen und beginnen eine neue Kultur. Die "Berührungskultur", die aus dem Herzen kommt und dasselbe wärmt.
Auch am Arbeitsplatz sind kleine Gesten der Nähe möglich. Gesetzten Falls, das Klima passt und alle daran Beteiligten fühlen sich dabei wohl, kann sich hier ein "Berührungskult" äußerst positiv auf das Betriebsklima auswirken. Doch Vorsicht - einerseits soll die Berührung niemandens Intimsphäre verletzten, anererseits sollen sich andere (z.B. Vorgesetzte) nicht ausgeschlossen fühlen. Einen Vorgesetzten in den "Berührungskult" miteinzubeziehen bedarf Fingerspitzengefühl.
Ich hatte lange Zeit in einer Apotheke gearbeitet, in der wir Frauen uns so gut verstanden, dass wir uns ständig kurz berührten, den Rücken streichelten, den verspannten Nacken massierten oder in die Seite stießen - in Krankenstand ging dort in dieser Zeit niemand und die Arbeit "floss" uns nur so aus den Händen...
Ein "Berührungskult" bedeutet aber auch, dass wir uns in Frieden und Harmonie mit unseren Mitmenschen befinden. Auch das liegt wie immer an (in) uns selbst. Doch das ist eine andere Geschichte...
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