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Spiritualität ist das Einbeziehen des Göttlichen im Leben, Religion ein möglicher Weg dazu. Ziel ist den geistigen Horizont um die Ebene der Göttlichkeit zu erweitern und damit ein harmonisches Lebensgefühl und einen Geist zu entwickeln, der sich nicht in Polaritäten verwickelt, sondern in einer Ausgeglichenheit und inneren Frieden die Dinge der Welt sehen kann, wie sie wirklich sind.
Wir sind gewohnt in einem Strom von Gedanken zu leben, die Emotionen erzeugen und Reaktionsmuster hervor bringen, die entweder auf Begehren von Freude und Glück oder Vermeidung von Angst und Schmerz gerichtet sind. Verwurzelt in dieser Fixierung bewirken diese Verhaltensmuster eine Prägung in unseren Gedanken, unserer Wahrnehmungen, unserer Sprache und unserer Weise zu handeln. Sie formen den Geist und legen die Daseinsweise in der Welt fest. Aus einer erweiterten Sichtweise betrachtet, sind solche Muster weder positiv noch negativ, sondern einfach Strukturen, die genau bestimmen, wer wir als konditionierte Individuen sind, konditioniert von den Eltern, öffentliche Einrichtungen, gesellschaftliche Normen oder eigenständige Schlussfolgerungen aus traumatisierten Erlebnissen. Daraus entsteht eine Wirklichkeit, die uns einengt und begrenzt. Wir versuchen mit immer neuen Mitteln (oder auch den alten) unser Erleben mit unseren Vorlieben in Übereinstimmung zu bringen, um glücklich zu sein. Stehen unsere Erfahrungen nicht mit unseren Vorlieben im Einklang, dann erleben wir das als Problem und unser konditionierte Geist versucht es dadurch zu lösen, dass er eine neue Strategie entwickelt. Die Folge ist eine neue Konditionierung, die uns weder wachsen lässt, noch befreiend wirkt.
Die alten Lehren der großen Meister und Weisen ermöglichen uns eine andere Herangehensweise. Bis jetzt kennen wir nur unseren konditionierten Geist, mit dem wir unsere Existenz, unser Dasein in Verbindung bringen, den wir mit "Ich" belegen. Dieser Geist wird vom Verstand gelenkt, fixiert im Verlangen nach Glück und Vermeidung von Leid - ein Geist in der Polarität.
Die "Nachinnenschau" eröffnet uns völlig neue Dimensionen jenseits des Denkens. Wir erleben eine Daseinsform, die von all den Erscheinungen des konditionierten Geistes unberührt ist. Nicht, das es die Probleme und Herausforderungen des Lebens nicht mehr gäbe, sondern wir erleben sie auf dieser Ebene des Seins als natürliche Vorkommnisse des Universums. Wir sind der Brennpunkt zwischen dem Göttlichen und der Welt, dem Formlosen und der Form. Es ist das, was man unsere wahre Natur nennen kann, die Quelle allen Seins. Diese Lebensweise ist im Göttlichen verwurzelt, im Einssein mit allem, was ist. Dorthin möchten uns die Religionen hinführen, jede auf ihren eigenen Weg und eigener Weise, zu unserem reinen, spirituellen Sein - unserem natürlichen Zustand!
Die Daseinsform unserer wahren Natur ist "Reines Gewahrsein", dass sich direkt durch unseren Körper und unseren Geist offenbart. Es umschließt alles, was ist und trägt die Essenz von Friede, Liebe und Freiheit in sich. Wir können diese Art zu leben auch "daseinverwirklicht" oder Selbstverwirklichung nennen, die, vor allem in den östlichen spirituellen Traditionen, das höchste Ziel des Lebens ist.
Die wahre Natur ist immer gegenwärtig, wird allerdings bei vielen Menschen durch den Verstand verschleiert und abgedeckt, wie Wolken die Sonne verdecken können. Die einzige Möglichkeit zur Erkenntnis, wer wir in Wahrheit sind, woher wir kommen und was wir hier wollen, ist die "Nachinnenschau" - Selbstergründung, die uns die tiefen Schichten unsers Daseins öffnet, um das "Reine Gewahrsein" zu ent-decken und zu leben. Möge die Übung gelingen!
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