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Religio
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 Bildquelle:Karin Jähne, www.pixelio.de |
Wieder "Auflesen", "Aufsammeln", "Aufwickeln" - diese Termini machen deutlich, dass es sich bei "Religio" um einen Prozess handelt, der nicht mit einer kurzen Handlung ein für alle Mal abzuschließen ist. Auflesen von Äpfeln, die der Wind im Spätherbst von den Bäumen gebeutelt hat, kann mühsam sein. Das Aufsammeln von Perlen, die auf den Boden gesprungen sind, ist vielleicht eine monotone Arbeit - etwas für Geduldige. Aufwickeln eines langen Kabels - bringt Ordnung. Ist Religio demnach ein mit Mühen verbundener, Ordnung schaffender Weg für Geduldige?
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 Bildquelle: Rainer Sturm, www.pixelio.de |
"Anbinden" und "Rückbinden" bietet das lateinische "religare" als Bedeutungsaspekte an. Wer möchte heute schon ein "angebundenes" Dasein, sozusagen ein "Leben an der Leine" führen? Andererseits: kann der echte Freiheit leben, der seine Wurzeln nicht kennt, die ihn nähren und erden?
Mystiker kreisen um dieses Paradoxon: je intensiver die "Anbindung", desto größer der eigene Entscheidungsspielraum, die innere Freiheit.
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Ignatius von Loyola (geb. 1491) etwa entdeckte auf seinem geistlichen Weg, dass ihm alles, was ihn ausmacht, geschenkt ist. Mein Leben und mein Sein sind nicht einfach "herstellbar". Selbst mein Atem ist mir geschenkt. Er kommt mir zu. Ich kann loslassen, mich loslassen. Im Loslassen empfange ich mich von woanders her. Dieses Mich-Empfangen ist das Fundament, dem Leben trauen zu können. Für Ignatius ist es eine größere Wirklichkeit, die Sein schenkt. Er nennt diese Wirklichkeit Gott. Tor zu dieser Wirklichkeit sind für ihn seine Sinne: Sehen, Hören, Riechen, Tasten und Schmecken sind schon von Natur aus darauf ausgerichtet, das Göttliche zu "berühren", das alles belebt und im Dasein hält.
Was es von mir her braucht, ist lediglich eine Haltung der Aufmerksamkeit für das, was schon da ist: "Aufmerksamkeit ist das natürliche Gebet der Seele", formuliert der Lyriker Paul Celan. Meine Aufgabe ist es, mich zu lassen, nichts zu tun und umso mehr ins Spüren zu kommen, zu ver-spüren, zu ver-kosten, mich betreffen zu lassen: eine Haltung der "passiven Aktivität". Denn das Göttliche ist nicht fern, "in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir" (Heilige Schrift, Apg 17,28).
Es ist nicht nötig, dein Zimmer zu verlassen.
Bleib an deinem Tisch sitzen und lausche.
Lausche nicht einmal, verhalte dich still und einsam.
Die Welt wird sich dir offen darbieten, um ihr wahres Gesicht zu zeigen.
Es bleibt ihr keine andere Wahl, sie wird verzückt vor deine Füße rollen.
(Franz Kafka)
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 Bild: Gabi Schönemann, www.pixelio.de |
Zugleich kennt die Mystik das Ausgespanntsein auf ein "Woraufhin". Ignatius beschreibt im "Exerzitienbuch" seine Erfahrung, dass jeder und jede auf ein Ziel hin angelegt ist: "Die Dinge auf dem Angesicht der Erde sind für den Menschen geschaffen und damit sie ihm bei der Verfolgung des Zieles helfen, zu dem er geschaffen ist."
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"Angebunden" an die beiden Pole des "Von-Woher" und des "Woraufhin" spannt sich ein unermesslicher Raum auf, ein Herzraum: das Geliebtsein. Caterina von Siena (geb. 1347) findet sich in dieser ausgespannten Weite wieder mit den Worten: "Ohne Liebe kann die Seele nicht leben. Sie muss etwas lieben, sie ist aus Liebe geschaffen."
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In der Reihe "spirit & xp-erience" finden derzeit wieder Erfahrungsabende statt, deren Ziel es ist, sich dem "spirit", dem göttlichen Geist der Lebendigkeit zu öffnen. Auf einem Weg, der der "xp-erience", der existentiellen Erfahrung näher steht als dem Intellekt.
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An den kommenden "xp-erience! it"-Abenden versuchen wir uns Erfahrungsräumen anzunähern, die Mystiker/innen in ihren Schriften beschreiben und eröffnen. Wir tauchen in jahrhundertealte, spirituelle Erfahrung ein, begegnen dabei großen Persönlichkeiten der Mystik und werfen einen Blick in alte spirituelle Weisheiten und Handschriften. Welche Erfahrungen haben diese Mystikerin, diesen Mystiker begeistert? Was verändert sich für mich, wenn ich mich in seine, ihre Perspektive hineinversetze?
Die spirituelle Atmosphäre des im Jahr 1226 gegründeten Klosters der Dominikaner (Postgasse 4) im Herzen Wiens wird uns inspirieren.
Die Seminare sind offen für jedermann und jedefrau. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Vorbedingungen gibt es keine. Als Voraussetzungen genügen Abenteuerlust und Interesse an lebendigen, spirituellen Erfahrungen der christlichen Mystik.
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jeweils 19.30 – 21.00 Uhr
Die einzelnen Abende bauen aufeinander auf, können aber auch einzeln besucht werden.
1. April 2009:
"Soll Gott in dich eingehen, so muss die Kreatur aus dir ausgehen. Wo die Kreatur endet, da beginnt Gott." (Meister Eckhart, geb. um 1260)
6. Mai 2009:
"Diese Seelen empfangen die Ruhe im Inneren nur, um sie im äußeren Leben umso weniger zu haben." (Teresa von Avila, geb. 1515)
3. Juni 2009:
"Der gute Engel berührt die Seele mild, leicht und sanft wie ein Wassertropfen, der in einen Schwamm eindringt; der böse hingegen berührt scharf und mit Lärm und Unruhe, wie wenn ein Wassertropfen auf einen Stein fällt." (Ignatius von Loyola, geb. 1491)
Lesen Sie hier mehr in unserem Folder.
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Durch die Abende begleiten:
„Der Weg nach Innen ist ein Weg des Wachsens und der Selbstwerdung, um im Außen das wahre Leben wirklich und wirksam werden zu lassen.“
Dipl. Päd. Michael Dräger
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„`Wolke des Nichtwissens’ heißt eine spannende mystische Schrift aus dem Mittelalter. Damit sich diese ‚Wolke des Nichtwissens’ aber ein bisschen lichtet, übersetze ich gerne, sowohl beruflich wie privat, verschiedene mystische Schriften aus dem Mittelalter in eine moderne Sprache und für Leute von heute.“
Dr. Karl Steinmetz
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„Wer seinem fundamentalen ‚Von-woher‘ und ‚Worauf-hin‘ in der Tiefe seines Seins auf der Spur bleibt, wird in einen großen inneren Freiheitsraum geführt und wird frei in der Gestaltung seiner Beziehungen – zu sich selbst, zum Nächsten und zu Gott.“
Mag. Beate Zimmermann
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