Inhalt dieser Ausgabe
Körper:
Frei von Altlasten leben
Atem ist Leben
Loslassen (5)
Schlank und Rank
Abnehmen... (TCM)
Geist:
Los-lassen? Zu-lassen! (1)
Jians Institut: Jugend in Gefahr
Weg zur Leichtigkeit des Seins
Geist entrümpeln
Ausgewählte Literatur
Seele:
Radionik im Jahreskreis (7)
Maya-Zeit 10.9. - 9.10.07
Kultur Wien
Beruf:
Neuanfang nach Kündigung
Stand-Punkte bewegen (pdf)
Und noch ein Tag voller Lebens-Sinn! - 22. Sept. 2007 - 2. Festival der Sinne Graz - 11.00 bis 20.00 Uhr - Einritt frei! - Auspobieren - Mitmachen - Aktiv werden! - www.festivaldersinne.info - Mehr Infos hier.
Aktuelle Ausstellungstipps und -rezensionen
Das Gänsehäufel (- 7. Okt. 07)
Schöne Aussichten (- 4. Nov. 07)
Ganz unten (- 28. Okt. 07)
Im Wirtshaus (- 23. Sept. 07)
Bücher im Shop
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Aktuelle Ausstellungstipps und -rezensionen
Das Gänsehäufel
Ein Strandbad wird 100
Ausstellung vom 19. Juli bis 7. Oktober 2007
Wien Museum
Karlsplatz, 1040 Wien
Öffnungszeiten:
Di - So und Feiertag: 9.00 - 18.00 Uhr
Im Wien Museum wird dieses Mal auf kleinem Raum eine kompakte Ausstellung über das beliebte Wiener Strandbad "Gänsehäufel" gezeigt. Nach der Donauregulierung wird die "Wildnis" von Florian Berndl, einem Gesundheitsapostel, als alternative Heilstätte betrieben. Luft, Licht und Sonne wurden aus gesundheitlichen Gründen empfohlen.
Berndl gab offiziell an, Edelweiden pflanzen zu wollen, setzte aber seine Idee von Sonnen- und Sandbädern in die Praxis um. Bald wurde diese "Sittenwidrigkeit" angeprangert, Berndl wurde gekündigt und die Stadt Wien erwarb im Jahre 1907 das Strandbad.
Bürgermeister Lueger erkannte den gesellschaftlichen Trend und so wurde das Bad rasch zum beliebten Treffpunkt des Mittelstandes. Alte Fotos zeugen noch von der damaligen Bademode, vom Frauen-, Männer- und Familienbad. Wir staunen über das "Seebad" mit den Rattanliegen, Strandkörben, Cafés und Milchtrinkhallen. Auf Plakaten kann man erkennen, dass man auch damals verstand, sich zu vergnügen. Es wurden Wunschkonzerte, Auftritte von bekannten Sängern und Tanzveranstaltungen abgehalten.
Das Gänsehäufel diente auch als Heiratsbörse. An den Kassen bildeten sich Paare aus Männern und Frauen, um so gemeinsam in das Familienbad gehen zu können.
Die Umkleidekabinen waren in eine erste und eine zweite Klasse geteilt. Es gab bereits elektrisches Licht und die Hochquellenwasserleitung. Den Fotos nach zu schließen, hatte das Publikum jedenfalls eine Riesenhetz'!
Auch die Infrastruktur wurde an das beliebte Bad angepasst. Als komfortable Verbindung schuf man die Straßenbahnlinien 24 und C. Auf den Fotos sieht man, dass die Verkehrsmittel sehr frequentiert waren. Die Menschen hingen wie die Trauben an den Haltestangen.
Der Massenansturm auf das Gänsehäufel hielt auch in der Kriegszeit an. Erst im Jahre 1945 wurde der "Lido von Wien" durch 130 Bombentreffern dem Erdboden gleich gemacht.
Im Jahre 1950 entstand nach Entwürfen von Max Fellerer und Eugen Wörle ein völlig neues Bad, das europaweit Aufmerksamkeit erregte. Nunmehr ist Betonbauweise vorherrschend. Nur der 27 m hohe Uhrturm ist markant und heute noch ein Wahrzeichen des Gänsehäufels (auch "Schraubenzieher" genannt).
Besonderer Beliebtheit erfreuen sich nach wie vor die Kabanen, die Vorbaukabinen, die als Unterkunft für Saisonkartenbesitzer dienen. Sie sind stets vergriffen und man kann von Glück reden, eine davon zu ergattern.
Heute gibt es hier eine Minigolfanlage, Tischtennisplätze, Schachspiele und eine Anzahl von Kiosken, die für Speise und Trank sorgen. Sie lösen die üblichen mitgebrachten Schnitzel mit Gurkensalat (in unserer Familie war es stets Erdäpfelsalat) ab. Liebe Erinnerungen an die 60iger Jahre weckt der Anblick der blechernen durchlöcherten Proviantdose, der buntgemusterten Kühltasche und schließlich auch des tragbaren Minerva-Radios.
Heute machen fünf Beckenanlagen, zwölf Sportanlagen, Kinderattraktionen und erholsame Ruheplätze das Gänsehäufel zu einem der begehrtesten Freizeitparadiese. Ja, sogar den gesamten Urlaub kann man im Gänsehäufel verbringen.
Diese liebevoll zusammengestellte Schau ist ein Muss für die Wien-Liebhaber.
Die Wiener sollten aber auch den ausländischen Gästen diese "Attraktion" zeigen!
Und bei der heurigen Rekordhitze wäre ein Besuch des Gänsehäufels geradezu ein "heißer Tipp".
Hannelore Halper
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"Gartenlust - Der Garten in der Kunst"
Schöne Aussichten
Die berühmten Wien-Bilder des Verlages Artaria
Ausstellung vom 10. Mai bis 4. November 2007
Wien Museum
Hermesvilla
Lainzer Tiergarten
1130 Wien
Öffnungszeiten:
Di - So und Feiertag 10.00 - 18.00 Uhr
Die Ausstellung in der in der herrlichen Umgebung des Lainzer Tiergartens liegenden Hermesvilla zeigt 57 kolorierte Radierungen, geätzt und gestochen von Carl Schütz, Johann Ziegler und Laurenz Janscha, der seine Karriere im Alter von neun Jahren begonnen hat.
Während man heute selbst fotografiert, hielten in früheren Zeiten Künstler die Ansichten der Stadt und wichtige Ereignisse auf sogenannten Veduten fest. Das 18. Jahrhundert veränderte Wien grundlegend. Die Zahl der Einwohner stieg rasant, die Vorstädte breiteten sich aus. Viele der Barockkirchen, Paläste und Bürgerhäuser sind um 1800 entstanden.
Wir bekommen Ansichten des Allgemeinen Krankenhauses, des Josephinums und der militärisch-medizinischen Lehranstalt zu Gesicht. Die Veduten der folgenden Jahrzehnte lassen viele Veränderungen erkennen. Kirchen und Häuser verschwanden und wurden durch neue ersetzt.
Man verwendete meistens neue Druckplatten, kleine Veränderungen oder Veränderungen in der Mode wurden direkt auf den bereits vorhandenen Druckplatten vorgenommen.
Wir blicken auf den Karlsplatz, der sich uns als hügelige Landschaft darbietet. Der Wienfluss gräbt sich mittendurch sein Bett. Der Stephansplatz erscheint uns viel kleiner als heute, da der Dom in unmittelbarer Nähe von vielen Häusern umgeben war.
Die Veduten lassen uns in längst vergangene Zeiten schweifen. Pferdefuhrwerke beleben den Graben. Leute in eleganter, aber unbequemer Bekleidung, laufen geschäftig hin und her. Dazwischen sieht man vereinzelt einfacher gekleidete Dienstboten. Sie tragen keinen Hut und haben eine Schürze umgebunden.
Wir bewundern die kunstvollen Goldhauben der Bürgerinnen. Anschaulich ist neben den Bildern das zugehörige Werkzeug beigestellt. Besonderes Interesse weckt ein Film über die Herstellung dieser meisterhaften Kupferstiche.
Die lieblichen Vorstädte, wie die Wieden, die ihren eigenen Dorfcharakter hatten, werden wieder lebendig.
Die Lindenallee im Augarten lädt zum Flanieren der vornehmen Gesellschaft ein. Der Blick auf das Zentrum der Stadt mit der Ansicht des Stephansdoms wirkt damals wie heute faszinierend.
Wir verweilen lange Zeit vor jeder Ansicht und vergleichen, wie sich die Bilder im Laufe der Zeit veränderten.
Es sind viele schöne Bilder, die von der Entwicklung der Stadt und ihren Einwohnern erzählen.
Ein Genuss für jeden Liebhaber der Schönheit der Kunst und für jeden, der an der Geschichte der Stadt Wien interessiert ist.
Ein lohnenswerter Ausflug zur Hermesvilla!
Hannelore Halper
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Ganz unten
Die Entdeckung des Elends-
Wien, Berlin, London, Paris, New York
Ausstellung vom 14. Juni bis 28. Oktober 2007
Wien Museum
Karlsplatz, 1040 Wien
Öffnungszeiten:
Di - So und Feiertag: 9.00 - 18.00 Uhr
Die Ausstellung im Wien Museum greift das Thema über die Grenzen der Darstellbarkeit von Armut auf. Ist es reiner Voyeurismus, Attraktion oder Aufklärung?
Jedenfalls bleibt die Privatsphäre, sofern noch ein wenig davon vorhanden ist, nicht gewahrt.
Die Ausstellung beginnt mit London. Charles Dickens kartiert die Wohnviertel der Ärmsten in Schwarz. "Die Stuben sind so eng und schmutzig, dass die Luft selbst für den Unrat, den sie bergen, zu widerlich zu sein scheint." Wir alle kennen den berührenden Roman "Oliver Twist". Wir leben mit dem Milieu mit, sind verwundert, entsetzt, angewidert und mitleidsvoll. Friedrich Engels, der 1844 die Lage der arbeitenden Klasse in England aus Statistiken, Berichten und durch eigene Eindrücke erlebte, war der Meinung, dass einem die Stadt die Besinnung raube. Der Unterschied zwischen arm und reich wirkte sich extrem aus.
In Paris wurde der Roman "Die Geheimnisse von Paris" von Eugène Sue zum Bestseller. Er warnte die Leser, dass sie gute Nerven haben sollten, um sich diesen Roman zu Gemüte führen zu können. Er sprach in geheimnisvollen und schrecklichen bluttriefenden Bildern in einer Gaunersprache, dem Rotwelsch, und färbte Bilder von Prostitution und Kriminalität. Der französische Maler und Illustrator Gustave Doré machte in dem 1872 erschienenen Prachtband London zum Gegenstand. Wir finden, dass die Darstellung der Farben mit denen die Obdachlosen unter der Themsebrücke gezeigt werden, bunter sind als die Darstellung der Oberschichten. Obwohl Gustave Doré's Bilder sehr berühmt sind, werden sie zum ersten Mal in Wien ausgestellt. Der österreichische Journalist Emil Kläger machte gemeinsam mit dem Amateurfotografen Hermann Drawe spektakuläre Bilder aus dem Kanalsystem. Männer schlafen hockend übereinander. Die beiden Journalisten verkleideten sich als Obdachlose, um in das Milieu eindringen zu können, wurden aber bald als Eindringlinge erkannt, da sie ihr Fotogerät verriet.
Das Wien Museum zeigt grafische Zyklen von Käthe Kollowitz und Heinrich Zille in Bilddokumenten zum Berliner Wohnungselend.
Für die fotografischen Darstellungen des jüdischen Elends in Wien war Bruno Frei zuständig, der mit seinen Fotografien die nichtsahnenden Bürger aufzurütteln versuchte.
Seit dem 20. Jahrhundert rückt das Thema in den politischen Vordergrund und man ist bemüht, Veränderungen der sozialen Verhältnisse herbeizuführen. Elend und Armut waren schon immer ein Thema. Die Politik wäre gefordert, in einem gewissen Ausmaß einzugreifen. Allein die Erhöhung der Löhne wäre schon für viele eine Lösung, um aus der Armut herauszukommen. Mit einem Lohn von 1.000,- Euro im Monat kann niemand eine Familie erhalten, für Wohnung, Kleidung und Essen aufkommen. Daher wäre ein erster Ansatz, die Leute besser zu entlohnen.
Wieder einmal eine interessante und berührende Darstellung über die Armen in der Bevölkerung, um ein Aufrütteln der Politik und auch der Wohlbetuchten zu erreichen.
Hannelore Halper
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IM WIRTSHAUS
Eine Geschichte der Wiener Geselligkeit
Ausstellung vom 19. April bis 23. September 2007
Wien Museum
Karlsplatz, 1040 Wien
Öffnungszeiten:
Di - So und Feiertag: 9.00 - 18.00 Uhr
Das Wien Museum zeigt die erste kulturhistorische Ausstellung über das "Wirtshaus" (Haus de Wirtes) in vielen Varianten. Sogar Fundstücke vom größten bekannten Wirtshaus aus der Römerzeit werden präsentiert.
Um 1800 gab es dumpfe Weinkeller und gutbürgerliche Gaststätten. Es gab Zeiten, da wurde mehr Wein als Bier ausgeschenkt. Später entwickelten sich die Gaststätten zu größeren Etablissements mit Tanz und Unterhaltung. Strauß und Lanner spielten auf, Gesang wurde dargeboten. Einer der bekanntesten Wiener Liedersänger war Edmund Guschelbauer, der u.a. den "Alten Drahrer" zum Besten gab. Die Bierhäusermädeln waren Prostituierte, deren beliebteste Wirkungsstätte der Spittelberg war. Ein Bild zeigt uns eine am Tisch tanzende "Dame".
In Notzeiten diente das Wirtshaus als Wärmestube. In besseren Tagen wurde gegessen, getrunken, Karten gespielt und politisiert.
Die echten Beiseln, die nach 1970 erneut an Beliebtheit gewonnen haben, sind an den Lamperien, den Kleiderhaken an der Wand, dem "Salz, Pfeffer und Maggi Würz-Ensemble", an der Schank- und Kühlwand, am Raumteiler für das Extrazimmer, am Stammtisch und an den schwarzen Tafeln, an denen mit Kreide die Speisen angeschrieben wurden, zu erkennen. Damals sowie auch heute wird vor allem Bodenständiges angeboten.
In dem Platz vor der Schank befindet sich der Mittelpunkt mit Lärmen, Lachen, Tabakgestank. Das Extrazimmer ist für die gehobene speisende Gesellschaft reserviert.
Die guten Wiener Beiseln sind auch heute noch bis zum letzten Platz gefüllt und man kann sich glücklich schätzen, wenn man zwischen anderen Gästen noch einen freien Platz ergattern kann.
Meistens sind die Wirtsleute persönlich anwesend, um sich um das leibliche Wohl der Gäste zu kümmern. Das ist auch ein Grund dafür, dass es nie Beisel-Ketten gegeben hat.
Wir sind umgeben von Gasthausbildern, Bierreklamen und Speisekarten aus vergangenen Zeiten. Es gab auch Perioden in denen der Alkohol verteufelt wurde. Wir sehen ein Plakat mit einem Gerippe als Folge von zu viel Alkoholkonsum. Auch an Wahltagen war striktes Alkoholverbot angesagt. Das Wien Museum hat ein typisches Beisel eingerichtet. Tische mit rot-weiß karierten Tischtüchern laden zum Verweilen ein. Früher waren die Tische aus Holz, die jeden Tag peinlichst genau gereinigt wurden. Später wurden sie von Resopalplatten abgelöst, um heute wieder eine Renaissance der Holztische auferstehen zu lassen.
Wir staunen über die Bürstchen mit dem die Gläser händisch gereinigt wurden. Von den früheren Holz- und Keramikbechern ging man zu Zinnkrügen über und erst durch das industriell gefertigte Glas entwickelten sich die heute bekannten Formen vom Seidel, Krügerl und dem rebenumrankten Achterl. Sie alle haben eine gewisse Standfestigkeit, denn allzu leicht könnte man bei einer hitzigen Debatte ein Glas umstoßen. Unser Blick fällt auf die Stammtischzeichen, die stehend oder hängend, den Tisch kennzeichnen, an dem nur Stammgäste Platz nehmen dürfen. Für Außenseiter ist dieser Platz tabu.
Im Wirtshaus sind Vereine untergebracht. Vom Taubenzüchterverein, Fußballverein und dem beliebten Sparverein sind alle vertreten. Die Extrazimmer waren stets für politische Treffen und auch zur Mobilisierung der Wählerschaft vorgesehen.
Das Wien Museum bietet auch Spielmöglichkeiten für Kinder. Sie sind eingeladen, sich als Wirt zu verkleiden, Spiele auszuprobieren oder auch aus Bierdeckeln Häuser zu bauen. Auch ein Museumsbeisl ist eingerichtet, in dem man sich mit Klassikern der Wiener Küche verwöhnen lassen kann. Das Wien Museum hat uns mit dieser Ausstellung die kulturelle Entwicklung unserer Wirtshäuser anschaulich und interessant näher gebracht. Eine wunderbare Ausstellung für Liebhaber von Wiener Geselligkeit und Gasthauskultur.
Hannelore Halper
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