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Aktuelle Ausstellungstipps und -rezensionen
  • Ganz unten (- 28. Okt. 07)
  • Das Ballhaus - Volkstheater Wien (Premiere 7. Sept. 07)
  • Blickwechsel - Wiener Volkstheater (Premiere 21. Sept. 07)
  • Torquato Tasso - Aufführung im Burgtheater
  • Gedanken zur "Barrierefreiheit"
  • Weiterempfehlung dieses Artikels
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    Aktuelle Ausstellungstipps und -rezensionen

    Ganz unten

    Die Entdeckung des Elends-
    Wien, Berlin, London, Paris, New York
    Ausstellung vom 14. Juni bis 28. Oktober 2007

    Wien Museum
    Karlsplatz, 1040 Wien
    Öffnungszeiten:
    Di - So und Feiertag: 9.00 - 18.00 Uhr

    Die Ausstellung im Wien Museum greift das Thema über die Grenzen der Darstellbarkeit von Armut auf. Ist es reiner Voyeurismus, Attraktion oder Aufklärung?
    Jedenfalls bleibt die Privatsphäre, sofern noch ein wenig davon vorhanden ist, nicht gewahrt.
    Die Ausstellung beginnt mit London. Charles Dickens kartiert die Wohnviertel der Ärmsten in Schwarz. "Die Stuben sind so eng und schmutzig, dass die Luft selbst für den Unrat, den sie bergen, zu widerlich zu sein scheint." Wir alle kennen den berührenden Roman "Oliver Twist". Wir leben mit dem Milieu mit, sind verwundert, entsetzt, angewidert und mitleidsvoll. Friedrich Engels, der 1844 die Lage der arbeitenden Klasse in England aus Statistiken, Berichten und durch eigene Eindrücke erlebte, war der Meinung, dass einem die Stadt die Besinnung raube. Der Unterschied zwischen arm und reich wirkte sich extrem aus.
    In Paris wurde der Roman "Die Geheimnisse von Paris" von Eugène Sue zum Bestseller. Er warnte die Leser, dass sie gute Nerven haben sollten, um sich diesen Roman zu Gemüte führen zu können. Er sprach in geheimnisvollen und schrecklichen bluttriefenden Bildern in einer Gaunersprache, dem Rotwelsch, und färbte Bilder von Prostitution und Kriminalität. Der französische Maler und Illustrator Gustave Doré machte in dem 1872 erschienenen Prachtband London zum Gegenstand. Wir finden, dass die Darstellung der Farben mit denen die Obdachlosen unter der Themsebrücke gezeigt werden, bunter sind als die Darstellung der Oberschichten. Obwohl Gustave Doré's Bilder sehr berühmt sind, werden sie zum ersten Mal in Wien ausgestellt. Der österreichische Journalist Emil Kläger machte gemeinsam mit dem Amateurfotografen Hermann Drawe spektakuläre Bilder aus dem Kanalsystem. Männer schlafen hockend übereinander. Die beiden Journalisten verkleideten sich als Obdachlose, um in das Milieu eindringen zu können, wurden aber bald als Eindringlinge erkannt, da sie ihr Fotogerät verriet.
    Das Wien Museum zeigt grafische Zyklen von Käthe Kollowitz und Heinrich Zille in Bilddokumenten zum Berliner Wohnungselend.
    Für die fotografischen Darstellungen des jüdischen Elends in Wien war Bruno Frei zuständig, der mit seinen Fotografien die nichtsahnenden Bürger aufzurütteln versuchte.

    Seit dem 20. Jahrhundert rückt das Thema in den politischen Vordergrund und man ist bemüht, Veränderungen der sozialen Verhältnisse herbeizuführen. Elend und Armut waren schon immer ein Thema. Die Politik wäre gefordert, in einem gewissen Ausmaß einzugreifen. Allein die Erhöhung der Löhne wäre schon für viele eine Lösung, um aus der Armut herauszukommen. Mit einem Lohn von 1.000,- Euro im Monat kann niemand eine Familie erhalten, für Wohnung, Kleidung und Essen aufkommen. Daher wäre ein erster Ansatz, die Leute besser zu entlohnen.

    Wieder einmal eine interessante und berührende Darstellung über die Armen in der Bevölkerung, um ein Aufrütteln der Politik und auch der Wohlbetuchten zu erreichen.

    Hannelore Halper

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    Blickwechsel - Uraufführung

    Wiener Volkstheater
    Premiere am 21. September 2007

    Wieder einmal eine wunderbare Aufführung im Volkstheater. Ein Stück, geschrieben von Susanne Wolf, das wirklichkeitsnah ist und ein ernstes Thema mit viel Gefühl und feinem Humor aufgreift. Die Rolle ist Heinz Petters auf den Leib geschrieben. Er spielt den grantigen alten Witwer, Paul Vanicek, sehr überzeugend und trotzdem spürt man den weichen Kern unter der harten Schale.
    Die ihn stets umsorgende Nachbarin, Frau Wegrostek, gespielt von Doris Weiner, versucht, ihm alles recht zu machen, lässt sich von ihm beschimpfen und freut sich, wenn sie ihn beschenken kann.
    Sein Sohn Ferdinand, dargestellt von Günter Wiederschwinger, trägt gerade nicht zu seiner Lebensfreude bei. Er hat sein Lebenswerk, das geliebte Admiral Kino verkauft, da er - wie schon oft - in Geldnöten war. Dieses Ereignis löst bei dem alten Herrn einen Herzinfarkt aus. Aus dem Spital entlassen, organisiert man die Heimhilfe Erna Hader, dargestellt von der quirligen Gabriele Schuchter. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, findet Erna aber doch Zugang zum Herzen des Herrn Vanicek.
    Das Volkstheater stellt sich damit in den Dienste einer guten Sache. Durch die europäische Entwicklungspartnerschaft EQUAL sollen neue Perspektiven für die als Helferinnen und Helfer im Bereich der Heimhilfe gefunden werden. Allzu oft werden diese Heimhilfen nur als Putzfrau angesehen und es wird übersehen, dass diese auch wertvolle Arbeit auf dem Gebiet als Psychiater und Seelentröster versehen.
    Ihre Arbeit grenzt an einen Marathon und sie sind oft die einzigen Ansprechpersonen für die einsamen Leute. Zum guten Ende trägt dann auch noch der fast verstoßene Sohn bei. Er hat für den Vater beim Bezirksheim alles organisiert, dass dieser einmal im Monat dort seine Filme zeigen und auch Vorträge halten darf.
    Unter der Regie von Nikolaus Büchel spielte das wunderbare Ensemble ganz großartig. Das zeigte auch der nicht enden wollende Applaus. Das Volkstheater ist ein Theater, das man ohne Enttäuschung verlässt und immer wieder gerne kommt.
    Ab 3. Oktober werden die Aufführungen dieses Stückes auch in den Außenbezirken gezeigt.

    Hannelore Halper
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    Das Ballhaus - Tanz durch ein Jahrhundert

    Das Ballhaus
    Tanz durch ein Jahrhundert

    Volkstheater Wien (Premiere 7. September 2007)
    Schauspiel ohne Worte von Jean-Claude Penchenat in der Fassung von
    Volker Schmidt

    Diese Produktion des Volkstheaters ist wieder einmal sensationell und einzigartig.
    Die Schauspieler tanzen professionell und auf höchstem Niveau durch ein Jahrhundert.
    Acht Jahrzehnte werden auf das Parkett eines Ballsaales gebracht. Wir verfolgen den Wandel der Zeit, der Musik, der Politik, der Mode und der Menschen. Die Tragik und auch die Komik der Geschichte werden wunderbar dargestellt.
    Von den wilden Zwanzigerjahren mit flotten Tänzen, über die Zeit des Bürgerkriegs, die Arbeitslosigkeit, das alles wird uns tanzend vor Augen geführt. Die dunkle NS-Zeit mit der Hochzeitsszene und der Überreichung von Hitlers "Mein Kampf" bei jeder Trauung, lässt die Erinnerung von den Erzählungen der Eltern aufkommen. Die Besatzung der Russen, die Vergewaltigung der Frauen, die Amerikaner, die Nylons aber auch Kinder zurück gelassen haben, der Wiederaufbau und damit der Aufschwung der Konjunktur: man kann es in dem Stück ohne Worte und dank der Darstellungskunst des Ensembles verfolgen. Viele Details aus der eigenen Jugendzeit werden ins Leben gerufen. Hula-hoop-Reifen werden gedreht, Petticoats ausgeführt und die Schmalzlocke glänzt im Rampenlicht. Die Protestbewegungen, die Skandale, die Donnerstagdemos und der 11. September: wir können all diese Ereignisse durch die ausgezeichneten Tänzer mit verfolgen.
    Johanna MERTINZ, Thomas BAUER, Heike KRETSCHMER, Katharina VÖTTER, Anette Isabella HOLZMANN, Claudia SABITZER, Rita SEREINIG, Beatrice FREI, Thomas MECZELE, Raphael von BARGEN, Marcello de NARDO, Christoph F. KRUTZLER, Rainer FRIEB, Thomas KAMPER, Andy HALLWAXX und Wolf DÄHNE unter der Regie von Gil Mehmert und der Choreographie von Kurt Schrepfer legten Weltklasse auf das Parkett.
    Besonders hervorragend als Tänzer und Charakterdarsteller ist Marcello de NARDO. Durch seine einmalig wirkende Bühnenpräsenz zieht er unmittelbar die Blicke auf sich.
    Alle Künstler spielten ausdruckstark und boten tänzerische Höchstleistungen. Jeder Einzelne wurde mit Bravo-Rufen und viel Applaus belohnt. "Das Ballhaus" steht auf dem Spielplan des Volkstheaters. Eine Aufführung, die man sich nicht entgehen lassen sollte!

    Hannelore Halper
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    Torquato Tasso

    Aufführung im Burgtheater

    Alfons der Zweite, Herzog von Ferrara   - Joachim Meyerhoff
    Leonore von Este, seine Schwester   - Caroline Peters
    Leonore Sanvitale, Gräfin von Scandiano   - Myriam Schröder
    Torquato Tasso, Hofdichter   - Philipp Hochmair
    Antonio Montecatino, Staatssekretär   - Michael Wittenborn
    Regie: Stefan Kimmig

    Das Burgtheater hat eine moderne Inszenierung von "Torquato Tasso" auf dem Spielplan.
    Das Bühnenbild ist ziemlich nüchtern. Ein riesiger Zeppelin überschattet die Bühne.
    Ein Herr im weißen Anzug macht Qi-Gong ähnliche Übungen zu fernöstlicher Musik.
    Es ist Alfons der Herzog von Ferrara, an dessen Hof Torquato Tasso finanziert und gefördert wird. Philipp Hochmair als Torquato Tasso spielt seine Rolle leidenschaftlich und als junger Wirrkopf. Die Damenwelt liegt ihm zu Füßen. Caroline Peters im duftigen Sommerkleid spielt ihre Rolle fantastisch. Man fühlt ihre unterdrückte Sexualität. Myriam Schröder zerspringt förmlich vor Neid und Eifersucht und ist in ihrem fröhlichen Kleidchen eine Augenweide.
    Joachim Meyerhoff, wird ständig aus seinem inneren Frieden gerissen. Er spielt die Rolle des Herzogs hervorragend. Man nimmt ihn den Mächtigen, sich nach Ruhe sehnenden Herzog, gerne ab.
    Michael Wittenborn zeigt einen starken Charakter und spielt seine Coolness überzeugend aus. Das Drama wird in verkürzter Fassung gebracht. Regisseur Kimmig ist damit eine wunderbare Inszenierung gelungen! Ein großes Bravo auch den exzellenten Darstellern. Ein Stück, das immer aktuell sein wird.
    Hannelore Halper
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