Inhalt dieser Ausgabe
Körper:
Bauchtanz für Schwangere...
Burn-out bei Müttern
Frausein und Intuition (7)
"Himmlisches Wasser" (TCM)
Geist:
Geschichte der Weiblichkeit (3)
Schäm dich, Mädchen!
Wechseljahre, Aufbruch in...
Ausgewählte Literatur
Seele:
Licht u. Schatten d. Venus (9)
Essen für die Seele
Maya-Zeit 9.11.- 9.12.07
Kultur Wien
Beruf:
Sei was du bist!
Kunst und Gesundheit - 5 Elemente Energiebilder von Eva Friederike Laspas. Infos hier.
Aktuelle Ausstellungstipps und -rezensionen
Baby an Bord (- 13.01.08)
Der späte Tizian (- 06.01.08)
Gehen - bleiben - Wiener Volkstheater Empfangsraum (Premiere 08. Okt. 07)
Wer hat Angst vor Virginia Woolf? - Wiener Volkstheater
Weiterempfehlung dieses Artikels
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Aktuelle Ausstellungstipps und -rezensionen
Baby an Bord
Mit dem Kinderwagen durch das 20. Jahrhundert
Ausstellung vom 18. Oktober 2007 bis 13. Jänner 2008
Wien Museum
Karlsplatz, 1040 Wien
Öffnungszeiten:
Di - So und Feiertag: 9.00 - 18.00 Uhr
25.12.2007 und 1.1.2008 geschlossen
Im Wien Museum ist es nicht notwendig, extra darauf hinzuweisen, dass jede Ausstellung mit vielen Vorarbeiten und der Liebe zum Detail zusammengestellt wurde. Wir sehen und fühlen das selbst immer wieder! Jede neue Schau weckt unsere Neugier und diesmal sind nicht nur die Erwachsenen sondern auch die Kinder eingeladen. Die Ausstellung ist so konzipiert, dass Mütter mit Kinderwagen ungehindert durch das Museum fahren können.
Wir erfahren, dass erst ab 1860 in Österreich mit der serienmäßigen Herstellung des Kinderwagens, dessen Ursprungsland England ist, begonnen wurde. Vorerst war das Gefährt der besseren Schicht vorbehalten. Später konnte sich auch das Volk diesen Luxus leisten. Der Kinderwagen fand zugleich als Wiege, Bett und als Liege- und Sitzwagen Verwendung. Es gab Modelle, die für Kinder vom zweiten bis zum zwölften(!) Lebensjahr gedacht waren.
Durch das "Wagerl" sollten die Stadtkinder, die Gelegenheit haben an die frische Luft zu kommen. Die Sterblichkeitsrate war hoch. Viele Kinder litten an Tuberkulose und Rachitis.
Der Kinderwagen wurde entweder von Dienstboten oder von den Müttern geschoben. Väter waren erst ab den 70iger Jahren am Schieben der Wagen beteiligt, ohne sich dadurch lächerlich zu machen.
Im Laufe der Zeit und nach dem Stand der Technik haben sich viele Entwicklungen ergeben. Modelle aus den Anfangsstadien sehen regelrecht gefährlich aus. Die Höhe der Räder, die scharfen Kanten und die sichtbare Instabilität lassen uns die Kinder von damals bedauernswert erscheinen. Es soll ja öfter zu Unfällen und sogar zu Todesfällen gekommen sein.
Viele Modelle waren aus Korbgeflecht. Sie waren die Arbeit von Einwanderern aus den Ländern der Monarchie. Sie gründeten Kinderwagenfabriken. Etliche waren jüdischer Herkunft. In den unseligen Zeiten des Nationalsozialismus wurden ihre Fabriken arisiert. Die Besitzer vertrieben, die meisten davon sind umgekommen.
Ein spezielles Modell der ausgestellten Wagen hat Griffe aus Porzellan, "die bei Bruch jedoch leicht zu ersetzen" waren. Ein anderes ist rundherum mit Spitzen verziert. Die Jugendstilzeit machte sich im weiß- oder schwarzlackierten Wagen bemerkbar.
In der Zwischenkriegszeit gab es die für jedermann erschwinglichen "Blechkisten auf Rädern", die Griffstangen aus Leitungsrohren montiert haben. Im "Dritten Reich" wurde der Einheitskinderwagen propagiert. Er war nur zehn Kilo schwer, um ihn bei Luftangriffen leichter transportieren zu können. Manchen von uns ist das Modell noch bekannt und man wundert sich, dass man einst selbst in dieser "Kiste" gelegen ist.
In schlechten Zeiten wurde der Kinderwagen oft zweckentfremdet. Es wurden Kartoffel, Kohle, Schutt und Gegenstände damit befördert. Flüchtlinge, Ausgebombte und Obdachlose schafften ihr Hab und Gut auf diese Weise weiter.
Dann kam die Zeit der amerikanischen Straßenkreuzer. Die Kinderwagen wurden mit Kotflügeln und Stoßstangen ausgerüstet.
In den 70iger Jahren wurde der Panoramawagen erzeugt, der uns wieder an die Kindheit unserer Kinder erinnert. Es folgte der Buggy und kraftwagentaugliche Sportwagerl bis zum heutigen In-Modell, das Jogging-tauglich ist. Es wäre mühsam, jedes einzelne Stück zu beschreiben...... Übrigens, die Puppenwagen unterlagen einer ähnlichen Entwicklung wie ihr großes Vorbild.
Für die heutige Zeit ist es wichtig, dass die Kinderwagen leicht sind und die Mütter jemanden finden, der ihnen beim Einsteigen in die Straßenbahn behilflich ist. Ein besonderes Beispiel ist der N-Wagen mit Endstation "Prater-Hauptallee", der von Müttern mit Kinderwagen förmlich gestürmt wird. Auf dieser Linie ist kein einziger Niederflurwagen in Betrieb.
Zur Ausstellung gibt es einen reich bebilderten Katalog und im Atrium ist eine Spielstation für Kinder installiert.
Zahlreiche interessierte Besucher werden wieder ihre Freude an dieser Ausstellung haben!
Hannelore Halper
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Der späte Tizian
und die Sinnlichkeit der Malerei
Kunsthistorisches Museum Wien
Ausstellung
vom 16. Oktober 2007 bis 6. Jänner 2008
Öffnungszeiten:
Di - So 10.00 bis 18.00 Uhr
Do 10.00 bis 21.00 Uhr
Das KHM zeigt die späten Werke des genialen Künstlers. Ziel der Ausstellung ist es, die Maltechniken und der nahezu alchemistische Umgang des Malers mit den Materialien neu zu entdecken. Sie zeigt die Technik mit ihrem zunehmend offenen Pinselstrich, der sogenannten "Fleckenmalerei". Sie lässt die Werke nur scheinbar unfertig erscheinen. Bei näherem Studium entdeckt man erst die Vielfältigkeit der Farben, die durch gedämpftes Übermalen mit dunkleren Farben etwas zurückgenommen erscheinen. Die Bilder strahlen aus dem Hintergrund. Das Blau des Himmels, das Rot des Feuers oder das Rot in den Abstufungen der Aggressivität in der Vergewaltigung Lucretias. "Die Nymphe und der Schäfer" wurde erst unter schwierigen Bedingungen restauriert.
"Die Hl. Magdalena in der Wüste": hier wird ein religiöses Thema mit Erotik vermischt. Der Blick Magdalenas lässt erotische Fantasien erkennen. Das Bild war für Philipp II bestimmt, wurde aber von einem Adeligen gekauft, der eine große Summe dafür bezahlte. Der König bekam dann eine Kopie des Gemäldes. Ein großartiges beeindruckendes Bild ist die "Verkündigung". Das Altarbild zeigt den Erzengel Gabriel, der Maria die Botschaft überbringt. Der Heilige Geist stürzt in einer Lichtfontäne als Taube herab. Man fühlt förmlich den Überraschungseffekt, der wie ein Blitz einschlägt. Der Heilige Sebastian als Pestheiliger scheint vom Bild abzuheben. (Tizian starb 1576 während der Pestepidemie).
Ein besonders brutales schreckenerregendes Bild ist "Die Schindung des Marcyas", der von Apollo auf Grund einer verlorenen Wette bei lebendigem Leib gehäutet wird.
"Die Venus vor dem Spiegel" ist ein oft aufgegriffenes Thema auch von anderen berühmten Malerkollegen.
Die Bilder sind voll praller Sinnlichkeit und Tizian beweist, dass er auch im Alter den Schwung eines Jünglings behalten hatte.
Er selbst zeigt sich in Porträts, als Maler oder auch als Gelehrter. Der Künstler machte sich meistens älter als er war, um damit geheimnisvoller zu erscheinen. Als Liebhaber der großen alten Meister können wir uns diese Ausstellung nicht entgehen lassen. Wir bewundern Kunstwerke, die für alle Ewigkeit Bestand haben werden.
Großartig!
Hannelore Halper
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Gehen - bleiben
Aus den Tagebüchern von Victor Klemperer
Bühnenfassung von Katrin Kazubko
Erstmalig in Österreich
Im Wiener Volkstheater - Empfangsraum
Premiere: 8. Oktober 2007
Der Schauspieler Gerd Rigauer präsentierte die Textfassung der Tagebücher von Klemperer ganz vorbildlich. Er verlieh der Gestalt Klemperers neues Leben und wir empfanden es so, als erzählte uns der Professor seinen Lebenslauf mit allen Emotionen höchst persönlich.
Klemperer war 1881 als letztes Kind einer Rabbinerfamilie geboren. Er studierte Philosophie und Philologie. 1906 heiratete er die Kunstpianistin und Malerin Eva Schlemmer. Er lebte als freier Publizist in Berlin und wurde 1920 als Professor für Romanistik nach Dresden berufen. Er wurde auf Grund der nationalsozialistischen Gesetze entlassen. Sein Übertritt zur evangelischen Kirche wurde nicht anerkannt und er hatte sich den unmenschlichen Gesetzen zu beugen. Als den Juden jeder Zugang zu den Bibliotheken und das Abonnement von Zeitschriften verboten wurde, musste er seine wissenschaftliche Arbeit endgültig einstellen.
Er widmete sich daraufhin mit aller Intensität seiner Tagebücher. Diese Notizen ließ er durch seine Frau bei Freunden verstecken.
Das Ehepaar wurde aus seinem Haus bei Dresden vertrieben. Sie mussten in Judenhäuser ziehen, lebten in ständiger Angst und ohne finanzielle Mittel. Den Luftangriff auf Dresden überlebten sie unverletzt und entkamen so der Deportation.
Nach einer Flucht über Sachsen und Bayern kehrten sie 1945 in ihr Haus bei Dresden zurück.
Gehen oder Bleiben? Diese Frage stellte sich Klemperer immer wieder. Für ihn gab es aber nur eine Antwort, nämlich "Bleiben".
Anstatt in die BRD zu gehen, trat er der KPD in der DDR bei. Lieber blieb er bei den "Roten" als mit den "alten Braunen" den Rest seines Lebens zu verbringen. Klemperer war an den Universitäten Greifswald, Halle und Berlin tätig.
1951 starb seine Frau. "Du bist mir immer gegangen voran, o Herz, bei Tag und Nacht", lautet die Inschrift auf ihrem Grabstein.
Klemperer musste sich nun auch privat orientieren und ein neues Leben aufbauen. Er heiratete eine ehemalige Studentin, namens Hadwig, die altersmäßig seine Enkeltochter hätte sein können. Viele Preise und Auszeichnungen warteten noch auf ihn, obwohl er die Hoffnung auf eine gerechtere Welt im Osten aufgegeben hatte. Nach einer China-Reise wurde er zum endgültigen Antikommunisten.
Klemperer starb 1959 in den Armen seiner weiten Frau in Dresden.
Frau Hadwig ließ seine Tagebücher veröffentlichen. Sein Werk wird posthum mit dem Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet. Die Veranstaltung im Empfangsraum des Volkstheaters war spannend, interessant und berührend.
Sie war sozusagen ein "verstecktes Kleinod".
Hannelore Halper
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Wer hat Angst vor Virginia Woolf?
von Edward Albee
Wiener Volkstheater
Premiere 7. Oktober 2007
Die Unmenge der aufgereihten Whiskyflaschen als Begrenzung des Bühnenbildes lassen schon erahnen, dass hier gerne und viel getrunken wird. Martha und ihr Mann, Geschichtsprofessor George, sind nach einer Party wieder zu Hause und feiern auf ihre Weise weiter: Mit ritualisierten Gemeinheiten. Martha, hervorragend gespielt von Maria Bill, die beleidigend, mit scharfer Zunge und vulgär auf ihren noch in vornehmer Ruhe verharrenden Mann losgeht. Sie lässt in einem Feuerwerk von Schimpfworten in Überlautstärke die Bühne erzittern. Man hat förmlich Angst, dass die "Stimme der Piaf" Schaden erleidet. Die Darstellerin legt ihr ganzes Können in diese Rolle. Gegen Ende des Stückes wirkt sie weich und fast erbarmungswürdig. George, großartig dargestellt von Günther Franzmeier, hält sich anfangs mit seinen Äußerungen vornehm zurück, steigert sich aber immer mehr in seine Rolle und übertrifft an Gemeinheiten noch die seiner Ehefrau.
Obwohl es schon drei Uhr nachts ist, kommt noch Besuch: ein junger Biologiedozent und seine Frau. Zunächst werden die gesellschaftlichen Formen noch halbwegs eingehalten. Der Alkoholkonsum steigt und die Paare verletzen einander rücksichtslos. Es kommen Lebenslügen ans Licht und auch das junge Paar schaukelt sich in Gemeinheiten immer höher. Till Firit, als Nick steigert sich immer mehr in seine Rolle und auch seine Püppi (Katharina Strasser), die wunderbar die Naive spielt und sich letztendlich doch der verzweifelten Situation bewusst wird.
Als George den Tod des gemeinsamen imaginären Sohnes bekannt gibt, wird eine Illusion zerstört. Das Spiel endet damit, dass alle resignieren und aus Gewohnheit weiterhin nebeneinander leben werden. Aber vielleicht brachte das reinigende Gewitter doch die Einsicht, dass man nicht ohne einander leben kann.......
Ein unbedingt sehenswertes Stück, das vielleicht durch die Kürzung mancher Passagen noch mehr an Spannung gewinnen könnte.
Viel Beifall und Bravorufe für die hervorragenden Darsteller und für die Regie von Antoine Uitdehaag.
Hannelore Halper
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