Inhalt dieser Ausgabe
Körper:
Geist:
Seele:
Beruf:
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Genießen Sie die Klänge der Chakraphon-Musikinstrumente auf den CD's von Joga Dass... Hörproben hier.  
 

Alle Bilder:
www.pixelquelle.de
"Schäm dich, Mädchen!"

  • Was ist Schamgefühl?
  • Scham als Familienmuster
  • Typische Schamgeber
  • Typische Schamempfänger
  • Schlussendlich
  • Buchtipp
  • Weiterempfehlung dieses Artikels
  • Diese Seite drucken
  •  
    "Schäm dich, Mädchen!"

    Buchrezension des Buches Mutter-Tochter-Weisheiten von Dr. Christiane Northrup, notiert von Eva Laspas

    Klettert ein Mädchen auf einen Baum, wird es wahrscheinlich sehr bald von einem erwachsenen ermahnt, herunter zu kommen. Breitbeinig zu sitzen ist nicht "damenhaft" - auch wenn man gerade eine Hose anhat. Und wenn ein Mädchen seine Sportlichkeit und seinen Mut unter Beweis stellt, dann erntet es weniger Begeisterung von seiner Umgebung als es ein Bursche tut.

    Auf den Stopfpilz, den ich von meiner Großmutter geerbt habe, steht: "Auch wenn die Buben draußen locken, bleib zu Hause und stopfe Socken." Mit Buben ist wohl nicht nur die tatsächlichen Buben gemeint, auch Unabhängigkeit, Wagemut und das Autonom werden sind "Burschen" vor denen uns Muttern schützen möchte, weil wir sonst keinen Mann abbekommen, der uns ernährt (und versklavt).

    Obwohl vor nahezu 100 Jahren auf den Stopfpilz geschrieben, geistert die Mär vom "braven Mädchen" immer noch in unseren Köpfen herum. Frauen werden viel öfter eingeengt, als sie selber und wir alle es merken.
    Das ganze wird auch noch immer von der Mode unterstützt, die uns Frauen eindeutig Kleindung an den Leib schneidern möchte, die uns in unserer (Bein-)Freiheit behindern auf Sessel bequem zu sitzen, Röcke, in denen frau nicht schreiten kann (oder gar auf Bäume zu klettern). Schuhe, in denen wir keinen Bodenkontakt haben und Schmerzen leiden, BH's die unsere Brust ruhig quetschen, den Lymphfluss stauen und langfristig Probleme bereiten und sowieso nur für Männer sind, weil die das seidige Wippen auf den weiblichen Rippen nicht aushalten täten oder Ehemänner, die neidig sind und das Wippen ihrer (!) Ehefrauen anderen Artgenossen nicht gönnen.
    Das alles machen uns immer noch still und artig auf dem Stuhl in der Stube hocken bleiben.

    Dr. Christiane Northrup schreibt darüber in ihrem Buch: "Diese Doppelmoral führt dazu, dass Frauen sich in manchen Bereichen so sehr zurück nehmen, dass sie andere Verhaltensweisen entwickeln, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Das können zwanghafte Verhaltensmuster wie Putzen oder Zwangsvorstellungen vom "zu dick sein" oder "zu dünn sein" sein oder gar in einer Sucht münden. Auch Krankheiten dienen als Ersatzbefriedigung der versagten Bestätigungen."

    Mädchen, klettere wieder auf die Bäume! (Wenn da welche wären, auf die frau klettern kann, denn im städtischen Bereich sind in den letzten 30 Jahren systematisch alle Äste, die frau erreichen, auf die frau steigen könnte, abgeschnitten worden... Ich hatte noch Bäume, auf die ich stieg.)
    Klettere also aufs Klettergerüst (auf die Karriereleiter), wo immer du
    eine(s) findest und Lust dazu hast!

    Nach oben


    Was ist Schamgefühl?

    Dr. Christiane Northrup ist ein begnadete Ärztin und Schriftstellerin, ihre Bücher lesen sich wie "Butter", einfühlend und respektvoll behandeln sie Frauenthemen. In Ihrem Buch "Mutter-Tochter-Weisheiten" schreibt sie unter anderem auch über das Thema "Scham":

    "Was wir tun und was wir lassen sollten, lernen wir insbesondere von den Eltern und diese Informationen werden im Gehirn gespeichert. Unsere physische und psychische Gesundheit wird lebenslang dadurch beeinflusst, inwieweit wir in Einklang mit einem angemessenen Wertesystem leben, aber um lernen zu können, was angemessen ist, müssen wir als Kind ein gewisses Schamgefühl entwickeln."

    Also sollen wir uns doch schämen lernen? Ich denke nein, denn Schamgefühl ist angeboren. Es zusätzlich noch in eine bestimmte Richtung zu drängen und zu forcieren, beengt den Menschen. Beispiele wären, die natürliche Scham, die sich mit Eintreten der Pubertät zeigt oder die Scham, wenn einem Kleinkind etwas hinunterfällt. Bei meinen Kindern habe ich beobachtet, dass sie Schamgefühl der Eltern und Erzieher mit übernehmen. Das ist genug an Altlast, meine ich.

    Im Buch "Mutter-Tochter-Weisheiten" steht ähnliches: "Scham kann natürlich sehr "eng" gestrickt sein und uns in späteren Jahren einengen und unsere Gesundheit immens negativ beeinflussen. Doch ist es wichtig, dass jedes Kind ein gewisses Sozialverhalten entwickelt. Dazu gibt es Strukturen, Regeln und Disziplin. Scham wiederum hilft, Verhaltensweisen zu korrigieren, die im Umgang mit anderen nicht angemessen sind, und erlauben dem Kind, sich in die Gemeinschaft einzufügen."

    Wichtig dabei ist, auf welche Weise das Kind lernt, sein eigenes Verhalten einzuschätzen.
    Früher haben es uns die Eltern und Erzieher mit einem Klaps, dem Gürtel oder dem Rohrstab beigebracht, wo Scham angebracht war. "Böses Mädchen, böses Mädchen!"

    Dr. Northrup schreibt dazu: "Eine Mutter, die Zugang zu ihren eigenen Gefühlen hat, wird zwischen der Nichtakzeptanz des kindlichen Verhaltens (gerechtfertigte Scham) und der Nichtakzeptanz des Kindes selbst (ungerechtfertigte Scham) unterscheiden können. So beobachtete ich kürzlich bei einer größeren Veranstaltung ein etwa zwei Jahre altes Mädchen, das zwischen den Füßen der Leute herumkrabbelte. Seine Mutter hob es behutsam hoch, nahm es beiseite und erklärte ihm in ruhigem Tonfall, dass es damit aufhören müsse, weil es sonst die anderen störe.
    Daraufhin spielte das Mädchen friedlich mit seinem Spielzeug. Seine Selbstachtung blieb gewahrt, gleichzeitig hatte es aber auch verstanden, dass sein Verhalten in dieser Situation unangemessen war.
    Hätte die Mutter ihm dagegen vermittelt, es selbst sei wegen seines Verhaltens unakzeptabel, kann dies ungerechtfertigte Schamgefühle auslösen, die so schmerzlich sein können, dass das Kind sich emotional verschließt, um diese Gefühle nicht mehr zu spüren, wodurch wiederum die Schaltkreise zwischen Körper und Gehirn unterbrochen werden...

    ... Ungerechtfertigte Schamgefühle können ein Kind zu dem Schluss kommen lassen, ein geborener Versager zu sein, was langfristig Folgen in Form von Minderwertigkeitskomplexen, Depressionen oder Autoimmunerkrankungen mit sich bringen kann."
    Nach oben


    Scham als Familienmuster

    Innerhalb einer Familie kann Scham aber auch von Generation zu Generation weitergegeben werden, weil sie dazu benutzt wird, die Gefühle oder auch materielle Dinge der anderen Familienmitglieder zu kontrollieren.
    Die Eltern sind damit die sogenannten "Schamgeber", die Kinder die "Schamempfänger". Im ihrem Buch "Mutter-Tochter-Weisheiten" schreibt Dr. Northrup über die Eigenschaften derselben:
    Nach oben


    Typische Schamgeber

  • Narzisstische Menschen wirken zwar unabhängig, haben in Wirklichkeit aber Probleme mit dem Alleinsein und brauchen daher die Familie oder andere bewundernde "Spiegelhalter".
  • Sie haben wenig oder gar keine echten Freunde, weil ihre Beziehungen nicht auf Gegenseitigkeit beruhen.
  • Sie knausern meist mit Geschenken, Tipps und Lob und haben auch kein Problem damit, andere für sich bezahlen zu lassen.
  • ...
  • ...
    Nach oben


  • Typische Schamempfänger

  • Sie geben im Zweifelsfall jedem Recht.
  • Sie möchten unbedingt gefallen und lassen sich deshalb oft von anderen ausnutzen.
  • Sie haben häufig Gewichtsprobleme,
  • Sie revanchieren sich sofort, wenn jemand für sie bezahlt bzw. fühlen sich nicht wohl, wenn jemand ihnen etwas spendiert.
  • Sie haben viele enge Freund und kümmern sich um deren Probleme.
  • Sie machen übertrieben Geschenke.
  • ...
  • ...
    Nach oben


  • Schlussendlich

    Welche Kraft solche Mechanismen haben, erkennen wir oft erst dann, wenn wir uns damit auseinander setzen. Die Auseinandersetzung beginnt meist mit Leid. Wenn der Leidensdruck groß genug ist, dann gehen wir auf die Suche. Zuerst im Äußeren, erkenne wir (hoffentlich bald), dass wir nur im Inneren fündig werden...
    Vergessen wir das Sockenstopfen, die Socken heutzutage sind es sowieso nicht mehr wert, gehen wir lieber hinaus, wo uns die Buben (das Abenteuer, die Selbstfindung, das Stark und autonom werden) lockt.


    Wenn wir Frauen also erkennen und diese Strukturen nicht mehr an künftige Generationen weitergeben, kann Frau sich befreien. "Gutes Mädchen, gutes Mädchen!"
    Und zukünftig ohne Scham auf Bäume klettern, ohne BH gehen und das wunderbare Wippen auf den Rippen spüren, auf flachen bequemen und dennoch schönen Schuhen ihren Standpunkt vertreten oder breitbeinig sitzen, um sich mit Mutter Erde besser zu vereinigen...
    Nach oben


    Buchtipp

    "Mutter-Tochter-Weisheiten"
    v. Dr. Christiane Northrup
    Verlag Zabert Sandmann
    ISBN 3898831361
    € 25,00
    Dieses Buch bei Amazon.de bestellen
    Nach oben


     
    >zur aktuellen Ausgabe
    Service