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Weg des Lichts
Schwangerschaft
Schwangerschaft - Mythos & Wirklichkeit
Verzweifelte Jahre
Unsere Weihnachtsgeschichten:
Das Fabergé-Ei
Benny, der Weihnachtshund
Ein Geschenk des Himmels
Onlinebuch: Flucht aus Shanghai - übersetzt von v. Hannelore Halper
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von Hannelore Halper
Ihre Blicke saugten sich an Anna's Halsschmuck fest. Sie konnte die Augen vom blauen Fabergé-Ei , das an einer goldenen Kette baumelte, nicht abwenden.
Gierig starrte sie auf das Geschmeide. Obwohl Frank, ihr Mann, ihr jeden Wunsch von den Augen ablas, Gitta bekam nie genug.
Anna war das geeignete Opfer für sie. Diese konnte niemandem einen Wunsch abschlagen. Sie hatte ein Herz für alle und half, wo sie nur konnte. Sie hatte Freude, wenn sie Freude schenken konnte. Ihre Selbstlosigkeit war sagenhaft. Sie verzichtete auf Vieles, nur um andere glücklich zu machen. "Nicht an die Güter hänge dein Herz, die das Leben vergänglich zieren. Wer im Glück ist, der lerne den Schmerz, wer besitzet, der lerne verlieren." Das Gedicht war von Schiller und Anna's Leitspruch.
An diesem Fabergé-Ei hing ihr ganzes Herz. Ein treuer Freund hatte es ihr einst geschenkt. Leider war er kurz nachher verstorben und das Kleinod war daher auch ein Andenken.
Gitta ließ nicht los: "Anna, ach bitte, schenk mir doch das Fabergé-Ei. Ich werde es in Ehren halten. Alle werden mich damit bewundern und ich werde dabei immer an dich denken."
Anna ließ sich erweichen. Sie dachte, dass Gitta jünger wäre als sie und noch eine ganze Weile Freunde an dem schönen Stück haben würde.
Als der Weihnachtsabend nahte, wurde das Schmuckstück in eine kleine mit Samt ausgeschlagene Schachtel gelegt, geschmackvoll verpackt und mit einem kleinen Anhänger mit guten Wünschen versehen.
Anna wurde von Frank mit dem Auto abgeholt und in das Haus am Stadtrand gefahren. Ein festlich dekorierter Tisch lud zu kulinarischen Genüssen ein.
Nach dem Festmahl wurde geplaudert und gelacht.
Dann kam der Moment! Die Geschenke wurden überreicht. Gitta löste das Papier von ihrem Päckchen. Ein Strahlen huschte über ihr Gesicht als sie das Fabergé-Ei entdeckte und sie bedankte sich überschwänglich bei Anna. Stolz trug sie es an einem dünnen goldenen Reifen um den Hals und ließ sich von allen bewundern.
Wochen später. Heftiger Wind wehte und Regen prasselte zur Erde. Anna verließ ihr Haus und - plötzlich lag sie auf dem Gehsteig. Sie war schwer gestürzt. Alles war voll Blut. Die Kleider, der Gehsteig. Die Rettung kam und brachte Anna ins Spital. Man stellte einen Nasenbeinbruch, eine Schulterverletzung und eine schwere Verletzung des rechten Knies fest. Man wollte sie im Spital behalten, aber sie zog es vor, ihre Wunden zu Hause zu pflegen.
Freunde und Bekannte meldeten sich bei ihr. Jeder erkundigte sich, ob sie vielleicht etwas brauchen würde. Am Ende der Leitung hörte man meistens ein Aufatmen, wenn Anna sagte, dass sie nichts brauchte.
In den folgenden Tagen kamen viele vorbei. Brachten Essen, Blumen und gute Worte mit.
Anna und Gitta telefonierten. Anna hoffte insgeheim, dass Gitta sie einmal zu sich einladen würde und dass sie dann einig nette Stunden miteinander verbringen würden. Allein, es blieb ein Wunschgedanken.
Eines morgens kam ein Anruf. Gitta's Stimme klang forsch durch das Telefon:"Nun, wann kommst du zu mir ins Büro? Hol' dir endlich das Souvenir, das ich dir aus China gebracht habe; sonst werfe ich es weg."
Anna wies darauf hin, dass sie noch immer an den Folgen des Unfalls laborierte und nicht gut zu Fuß war.
"Ich hab' keine Zeit", tönte es aus dem Hörer und es wurde aufgelegt.
Die Leitung blieb tot.
"Das Ende einer langen Freundschaft", dachte Anna und leise Wehmut überkam sie.
Sie wusste, dass sie ab jetzt immer zu Weihnachten an ihr Fabergé-Ei denken wird - und an eine Freundschaft, die eine nur sehr einseitige gewesen war.
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von Hannelore Halper
Melanie kaute gedankenverloren an ihrem Bleistift. Sie starrte ins Leere. Tiefe Trauer befiel sie. Auf dem weißen Blatt vor ihr stand bis jetzt nur "Liebes Christkind".
Sie hatte einen einzigen Wunsch, dessen Erfüllung sie sich herbei sehnte.
Sie wünschte sich einen Hund als Spielgefährten, aber ihre Eltern waren strikt dagegen. "Ein Hund! So viel Arbeit: Gassi gehen, Baden, Bürsten und zum Tierarzt gehen! Nein, das kommt nicht in Frage!" meinten die Eltern.
Melanie dachte, wie schön es wäre, einen vierbeinigen Freund zu haben. Sie könnte ihm Kunststücke beibringen, ihn streicheln und verwöhnen. Sie würde auch gern mit ihm spazieren gehen, ihn baden und sein Fell bürsten
Große Tränen kullerten über Melanie's Wangen und tropften auf das Papier.
In großen Lettern schrieb sie "Ich wünsche mir einen Hund". Die Tinte war auf dem tränennassen Papier zerronnen.
Entschlossen nahm sie das Blatt in die Hand, öffnete die Balkontür und befestigte es mit Klammern an der Wäscheleine. Inständig hoffte sie, dass das Christkind ihren Wunsch erfüllen würde.
Am Heiligen Abend durfte Melanie ins nahe gelegene Kino gehen. Dort gastierte ein Kasperltheater. Es war ein spezielles Angebot für Kinder. Die Eltern konnten in dieser Zeit ungestört die Weihnachtsvorbereitungen treffen.
Melanie hatte viel Vergnügen an der Vorstellung. Sie schrie sich die Seele aus dem Leib, als das Krokodil den Kasperl bedrohte. Mit vor Aufregung geröteten Wangen verließ sie die Vorstellung und ging hinaus in den rauen Winterabend.
Sie überquerte die Straße und betrat die Grünanlage, in der ihr Wohnhaus stand.
Der Wind pfiff ihr um die Ohren. Sie blieb stehen, da sie meinte, ein Geräusch vernommen zu haben. Sie drehte sich um und sah im blätterlosen Gesträuch einen kleinen schwarzen Hund. Er bellte ganz leise und sah sie mit großen treuherzigen Augen an. Melanie hatte ihn gleich ins Herz geschlossen. Sie streichelte sein seidiges weiches Fell, kraulte ihn hinter den Ohren und nahm sein samtenes Pfötchen in die Hand. Sie konnte den kleinen Hund doch nicht im Freien alleine lassen! So fasste sie den Entschluss, das Hündchen mit nach Hause zu nehmen. Sachte nahm sie es auf den Arm, lief die Stufen hinauf zu ihrer Wohnungstür und läutete.
Ihre Mutter öffnete und schaute ganz verblüfft, als sie den Hund sah.
Melanie sagte: "Das Christkind hat mir den Hund ganz persönlich übergeben!"
Der Vater meinte augenzwinkernd: "Dann ist ja dein Wunsch in Erfüllung gegangen und das Christkind hat dich erhört!"
Melanie sprang vor Freude. Sie jauchzte: "Danke liebes Christkind. Ich werde auf ihn gut aufpassen und ihn lieb haben."
Am gleichen Abend noch taufte sie ihn Benny.
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von Hannelore Halper
Im gleißenden Mondlicht stapfte er durch den meterhohen Schnee. Von den Berggipfeln wehte messerscharf der Wind, der seine Stirn wie Stiche traf.
Er zog seine Mütze tiefer, fast über die Augen, um sich vor dem Sturm zu schützen. Mit jedem Schritt versank er bis zu den Hüften in der weißen Decke, die alles unter sich verbarg. Die schweren Stiefel hingen wie Zentnergewichte an seinen Beinen und mit jedem Schritt fiel es ihm schwerer, voranzukommen. Für Josef war es ein Kampf mit den Naturgewalten. Trotz der beißenden Kälte lief ihm der Schweiß über den Rücken.
Sein einziger Gedanke war, die Almhütte so schnell wie möglich zu erreichen. Seine Frau war schwanger und ganz allein hoch oben auf dem Berg.
Wie ein Vorhang fielen die dichten Flocken vom Himmel und verhinderten die Sicht. In seinem Bart hielten sich die Kristalle und froren zu Eis. Josef war am Rande der Erschöpfung. Er konnte der Versuchung, sich fallen zu lassen, nur schwer widerstehen. Er begann zu beten und wünschte inständig, so bald wie möglich seiner Frau beistehen zu können.
Plötzlich durchschnitt ein heller Strahl die Dunkelheit. Josef folgte dem himmlischen Zeichen und er spürte, wie seine Energie wieder zurückkehrte. Eine innere Kraft trieb ihn weiter. Er empfand den Wind nicht mehr so eisig und er hatte nur einen Gedanken: "Ich muss zu Maria!" Er hatte das Gefühl für Zeit und Raum verloren. Automatisch zog er die Beine aus dem Schnee. Vom Tal her vernahm er den hellen Klang der Kirchenglocken. Sie läuteten zur Christmette.
Mit letzter Kraft und steifen Fingern ergriff er die Türklinke. Er fiel fast hinein in die warme Stube.
Leises Wimmern kam aus der dunklen Ecke, in der das Bett stand. Als er sich näher heran tastete, sah er Maria selig schlummernd. Sie hatte ein Lächeln auf den Lippen. In ihren schützenden Armen lag ein kleines Wesen. Ein heller Schein umgab das Köpfchen. Über Josef's Wangen liefen Tränen vor Glück. Das Christkind war geboren! Sein Christkind!
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