von Ödön von Horváth
Theater in der Josefstadt
Premiere: 28. Februar 2008
Besetzung
August Zirner spielt den "Herrn Vorstand" des Bahnhofes eines kleinen Ortes, dessen Höhepunkte die Durchfahrt und die Verspätung der Züge sind.
Hudetz ist ein Beamter wie aus dem Bilderbuch. Verlässlich und gewissenhaft versieht er seinen Dienst. Er ist allerdings mit einer krankhaft eifersüchtigen Frau verheiratet, die älter ist als er, und die ihn auf Schritt und Tritt im Auge behält.
Eines Tages wird er von der Wirtstochter Anna in ein Gespräch verwickelt. Er muss gegen seinen Willen einen Kuss über sich ergehen lassen. Durch diese Ablenkung vergisst er, rechtzeitig das Signal für den durchfahrenden Eilzug zu stellen. Als der Zug durch die Station rattert, versucht er, das Versäumte wieder gut zu machen. Zu spät! In der Ferne hört man Krachen und Schreien.
Der Eilzug ist mit dem Güterzug zusammen gestoßen. Zahlreiche Todesopfer sind zu beklagen.
Frau Hudetz, überzeugend gespielt von Marianne Nentwich, hatte den Vorgang beobachtet und meldet der Polizei, dass sie beschwören kann, dass ihr Mann der Schuldige an dieser Katastrophe ist.
Ihr Hass entlädt sich in der aufgestachelten Eifersucht.
Die Wirtstochter Anna, grandios dargestellt von Maria Köstlinger, bezeugt hingegen, dass Hudetz das Signal zeitgerecht gestellt hat.
Der Vorstand wird in Haft genommen, aber mangels an Beweisen wieder freigelassen. Das Dorf bietet ihm einen triumphalen Empfang, da auch sie alle von seiner Unschuld überzeugt sind.
August Zirner, ein imposanter Charakterdarsteller, verdrängt die Tat. Finstere Gedanken und Schlaflosigkeit verfolgen ihn. Anna lässt sich nicht abschütteln und drängt auf ein Treffen bei dem sie sich mit ihm verloben möchte. Das bedeutet ihren sicheren Tod. Hudetz ermordet Anna in dunkler Nacht unter dem Eisenbahndurchgang.
Verfolgt von den Geistern der Verstorbenen will Hudetz seinem Leben ein Ende setzen. Allein, er bringt den Mut nicht dazu auf, sich von der Eisenbahnbrücke zu stürzen. Am Ende wird er der irdischen Gerechtigkeit zugeführt.
Bis in die kleinste Rolle sind die Darsteller hochkarätig besetzt. Ein fabelhaft gespieltes Theaterstück mit abwechslungsreichem Bühnenbild und adäquaten Kostümen.
Eine großartige Inszenierung unter der Regie von Philip Tiedemann.
Viel Beifall für diese eindruckvolle Aufführung.
(Hannelore Halper)
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