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Aktuelle Ausstellungstipps und -rezensionen
  • Fotografien von den Rändern Wiens von Elfriede Mejchar
  • Glanzstücke, Emilie Flöge und der Schmuck der Wiener Werkstätte
    Mit "Der Virtuellen" ins Theater:
  • Liederabend Liao Changyong
  • The Pitmen Painters
  • La Strada
  • Tod eines Handlungsreisenden
  • Halpern und Johnson
  • Die Judith von Shimoda
  • Die Blinden, die Tauben und andere Geilisten
  • Weiterempfehlung dieses Artikels
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    Aktuelle Ausstellungstipps und -rezensionen

    Fotografien von den Rändern Wiens

    Elfriede Mejchar
    Wien Museum
    Karlsplatz, 1040 Wien

    Ausstellung vom 23. Oktober 2008 bis 25. Jänner 2009
    Öffnungszeiten:
    Di - So und Feiertag 9.00 bis 18.00 Uhr

    Die Fotografin Elfriede Mejchar hielt fest, was einmal war. Die Ausstellung zeigt Fotos von aufgelassenen Industrieanlagen, Gärtnereien, Brachland, wuchernde Vegetation. Besonders eindrucksvoll sind dabei die Aufnahmen der Wienerberger Ziegelwerke. Einst waren dort tausende von Arbeitern beschäftigt, die unter menschenunwürdigen Bedingungen ihr Leben fristen mussten. Wir sehen Grundstücke, die brach liegen, die Vegetation konnte dort ungestört wuchern. Heute ist davon nichts mehr zu sehen, weil alles verbaut wurde. Desolate Hütten und Autowracks "zieren" die Landschaft. Schilder und Strommasten sind auf den Aufnahmen festgehalten. Die gezeigten Gärtnereien gibt es schon längst nicht mehr.
    Über 50 Fotografien erinnern in der Ausstellung mit Ansichten und Begleittexten, wie sich in den letzten Jahren die Gegend verändert hat. Wir betrachten die Serien "Die Simmeringer Heide", die "Triester Straße", die schon erwähnte "Wienerberger Ziegelfabrik" sowie "Aether adnarcosim". Chemiefabrik" und bemerkenswert sind die Ansichten der Gasbehälter, die nunmehr von moderner Architektur umgeben sind.
    Im Wandel der Zeit wurde die Landschaft mit Wohnsiedlungen, einem Golfplatz, Entsorgungsbetrieben, Bürokomplexen, Forschungslabors, Park&Ride-Anlagen und Autostraßen übersät.

    Besonders für die Wiener Bevölkerung ist die Ausstellung eine interessante Zeitschau über die rasante Entwicklung der Peripherie.

    Hannelore Halper
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    Glanzstücke

    Emilie Flöge und der Schmuck der Wiener Werkstätte
    Wien Museum
    Karlsplatz, 1040 Wien
    Ausstellung vom 13. November 2008 bis 22. Februar 2009
    Öffnungszeiten:
    Di - So und Feiertag 9.00 bis 18.00 Uhr

    Das Wien Museum präsentiert in Zusammenarbeit mit der Neuen Galerie New York 38 Broschen, Anhänger, Diademe und Gürtelschnallen sowie silberne Tischtassen, Hutnadeln und Schirmgriffe aus österreichischen und amerikanischen Privatsammlungen.

    Wir erfreuen uns an Werken der Künstler Gustav Klimt, Koloman Moser und Josef Hoffmann. Die Geschmeide des Jugendstils glänzen durch ihre Schönheit. Die künstlerische Arbeit ist das Kostbarste an den Ausstellungsstücken. Man verzichtete auf Gold und Brillanten und verwendete verschiedene Metalle, Emailarbeiten, bunte Halbedelsteine wie Opale Mondsteine, Lapislazuli, Perlen und Korallen. Die Arbeiten bestechen durch klare Linien, geschwungenen Ornamenten und Blättern sowie geometrischen Mosaiken.
    Die Objekte in den hohen Vitrinen und ihre vertikale Darstellung kommen besonders gut zur Geltung. Auch die Entwürfe einiger der Kostbarkeiten sind zu bestaunen.

    Das große Gemälde "Emilie Flöge" von Gustav Klimt krönt die Ausstellung. Sie war Lebensgefährtin von Klimt, Inhaberin des Salons "Schwestern Flöge", der auf der Mariahilfer Straße im Casa Piccola situiert war, und als Modell die beste Werbeträgerin der Schmuckstücke und der im Salon hergestellten Roben.
    Teilweise bisher noch unveröffentlichte Fotos und Möbel des Jugendstils runden die Ausstellung ab. Zur Ausstellung ist der Katalog "Glanzstücke, Emilie Flöge und der Schmuck der Wiener Werkstätte", HG. Paul Asenbaum, Wolfgang Kos, Eva-Maria Orosz im Verlag "Arnold'sche Art Publishers" erschienen.

    Eine wunderbare Ausstellung für alle, die das Schöne lieben.

    Hannelore Halper
    für "Die Virtuelle"
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    Mit "Der Virtuellen" ins Theater

    Liederabend mit Liao Changyong

    Musikverein
    1010 , Wien
    am 7.11.2008

    Tschechisches National Symphonie-Orchester

    Der chinesische Kulturverein machte dieses bemerkenswerte Ereignis möglich:

    Liao Changyong ist ein Baritonsänger ersten Ranges. Er studierte an der Musikhochschule in Shanghai und an der Musikuniversität in Paris. Nicht nur in Asien, auch in Europa und Amerika hat er Engagements. Er hält Konzerte auf der ganzen Welt. Seine Partner waren schon Stars wie z. B. Placido Domingo, Jose Carreras.

    Der ausdruckstarke, einfühlsame und mitreißende Sänger erfreute uns mit Werken aus
    Georg Friedrich Händel "Ombra mai fù". Arie des Serse aus der gleichnamigen Oper
    Wolfgang Amadeus Mozart "Hai, già vinta la causa!"
    Arie des Grafen aus der Oper "Die Hochzeit des Figaro"
    KV 492 Gaetano Donizetti
    "Bella siuome un Angelo" aus der Oper "Don Pasquale"
    Charles Gounod
    "Avant de quitter ces lieux" aus der Oper "Faust"
    Gioacchino Rossini
    "Largo al factotum" aus der Oper "Der Barbier von Sevilla"
    Giuseppe Verdi
    "Son is mio Carlo...Per me giunto is morro" aus der Oper "Don Carlos"

    Er erfreute das Publikum mit Lehars "Lippen schweigen" sowie die bekannten chinesischen Lieder "Heimweh" und "Der Yangtse im Osten".

    Liao Changyong hat sich in die Herzen des Publikums gesungen. Es dankte ihm mit frenetischem Applaus und Bravorufen. Als Zugabe durften wir noch "Guten Abend, gute Nacht" genießen.
    Der Wunsch aller wäre, den großartigen Sänger bald wieder in Wien hören zu dürfen.

    Hannelore Halper
    "Die Virtuelle"
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    Im Zeichen der Kunst -The Pitman Painters

    am 22. Oktober 2008 im Volkstheater
    unter persönlicher Anwesenheit von Lee Hall (Autor)
    und Max Roberts (Regisseur)

    Deutsch von Michael Raab
    Deutschsprachige Erstaufführung
    Premiere: 30. April 2009

    1934. Eine Gruppe von Bergleuten aus Ashington, Northumberland, engagiert einen Professor für Abendkurse im Rahmen der Arbeiterfortbildung. Da für Betriebswirtschaft leider keiner zu bekommen war, gibt es ab sofort Unterricht in Kunstgeschichte und Kunstbetrachtung. Tizian, Leonardo, die großen Meister der Hochrenaissance, die grundsätzliche Spannung zwischen der Innovation des Künstlers und der Tradition, in der er arbeitet, sind jetzt ihre Themen. Doch sehr schnell weicht die Theorie der Praxis: Die Männer beginnen zu malen.

    Sie machen Linolschnitte, reden sich die Köpfe heiß über Perspektive und Bildaufbau, was auf die Bilder gehört, was nicht und in welcher Farbe, und überhaupt, was das ist - die Kunst. Die Bergleute fahren nach London, besuchen die Museen und die Tate-Gallery, verlieben sich in die Intensität von van Gogh.
    Sie werden erfolgreiche Künstler. Im Laufe weniger Jahre sind sie befreundet mit der Avantgarde ihrer Zeit, herausragende Sammlungen kaufen ihre Werke an - und jeden Tag, so wie immer, fahren sie in die Grube.

    Und die Geschichte ist wahr. Es ist die Geschichte der Ashington Group, die ihr Tagwerk - den Abbau von Kohle unter Tage sowie ihre Arbeitswelt und ihren Alltag - zum Sujet ihrer Bilder machte. Ein Stück aus der Arbeitswelt und ein Stück Utopie: Kunst ist machbar und zugänglich für alle. Ein Stück voller Humor. Und ein Stück Selbstbefreiung.

    Regie: Max Roberts
    Ausstattung: Gary McCann

    Lee Hall, nach Spoonface Steinberg, Kochen mit Elvis und seinem Oscar-nominierten Drehbuch für den Film Billy Elliot international gefeierter Autor, hatte mit seinem neuen Stück The Pitmen Painters (Im Zeichen der Kunst) einen durchschlagenden Publikums- und Presseerfolg am National Theatre in London (UA am 19.05.2008).
    Wir müssen uns diese Aufführung unbedingt vormerken!!!

    Hannelore Halper
    "Die Virtuelle"
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    LA STRADA

    Das Lied der Straße
    von Gerold Theobalt
    Volkstheater in den Außenbezirken
    Nach dem Drehbuch von Federico Fellini, Tullio Pinelli und Ennio Flaiano
    Österreichische Erstaufführung

    Premiere: 1. Oktober 2008

    Regie: Andy Hallwaxx
    Bühne: Judith Leikauf und Karl Fehringer
    Kostüme: Erika Navas
    Mit Marjan Shaki, Doris Weiner, Thomas Bauer und Reinhold G. Moritz

    La Strada, der Film als Theaterstück zeigt unter der Regie von Andy Hallwaxx, wie man dieses Thema berührend und tiefgehend auf die Bühne bringen kann.
    Der Schausteller Zampano, beeindruckend dargestellt von Thomas Bauer, lässt sogar das Bild von Anthony Quinn verblassen. Zampano zahlt an Gelsominas Mutter 10.000 Lire und nimmt sie als Assistentin mit in seine Welt als Schausteller. Er spielt seine Rolle brutal, jähzornig, rücksichtslos. Er schlägt Gelsomina, betrügt sie mit anderen Frauen und zeigt kein Gefühl.
    Gelsomina hat vor, ihn verlassen, aber sie bleibt. Sie spielt den Clown, sammelt Geld, kocht und wäscht für ihn. Tief in ihrem Inneren ist sie diesem Mann sehr zugetan. Eines Tages lernt sie Matto, einen Seiltänzer, kennen. Er ist der erste Mensch, der sie ernst nimmt und sich mit ihr beschäftigt. Sie lernt durch ihn eine kleine Melodie auf der Trompete zu spielen.
    Es ist rührend, wie Gelsomina die Trompete bläst. Die Rolle ist wie geschaffen für Doris Weiner. Sie spielt dieses arme, naive und vom Schicksal nicht gerade verwöhntes Wesen so schön, dass einem vor Mitleid die Tränen kommen.
    Matto kann es nicht lassen, Zampano zu verspotten. Der jähzornige Entfesselungskünstler verletzt Matto so schwer, dass dieser daran stirbt.
    Zampano flüchtet und versteckt sich eine Zeit lang. Als er nach Jahren wieder an den Ort des Geschehens zurück kehrt, erfährt er, dass auch Gelsomina nicht mehr am Leben ist. Erstmals in seinem Leben ist Zampano tief betroffen. Man mutet diesen herzlos wirkenden Mann nicht zu, dass auch er Tränen vergießen kann.
    Großartige schauspielerische Leistungen, eine Regie, wie sie besser nicht sein könnte und ein einfaches, aber abwechslungsreiches und zu jeder Situation passendes Bühnenbild.
    Ein großer Theaterabend, der sich auch im Haupthaus sehr gut bewährt hätte.
    Tosender Applaus und die einhellige Meinung des Publikums zeigt, dass dieser unvergessliche Film grandios auf die Bühne gebracht wurde.

    Hannelore Halper
    "Die Virtuelle"
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    Tod eines Handlungsreisenden

    von Arthur Miller
    Deutsch von Volker Schlöndorff und Florian Hopf

    Volkstheater
    Premiere: 21. November 2008
    Besetzungsliste

    Willy Loman ist am Ende seiner Kräfte. Als Handlungsreisender gehen die Geschäfte nicht mehr gut und er lässt sein Leben an sich vorüberziehen. Er verdrängt die Realität und will in seinen Söhnen erfolgreiche Männer sehen. Auch sie können die Fantasien des Vaters nicht erfüllen. Willy hätte gern eine Arbeit in der Nähe, um nicht immer unterwegs sein zu müssen. Diese Hoffnung muss er allerdings aufgeben. Im Gegenteil, sein Chef legt ihm nahe, die Firma zu verlassen, da er nicht mehr gebraucht wird.
    Onkel Ben, sein Bruder, wird in den schwierigsten Situationen immer wieder um Rat gefragt. Ben hat es durch eigene Kraft geschafft und war als Geschäftsmann zu ungeheurem Reichtum gekommen.
    Willy's Frau steht immer liebevoll zu ihm und glaubt an ihn. Er sieht einen einzigen Ausweg, um seine Familie von den finanziellen Engpässen zu befreien - seinen Freitod. Eine hohe Versicherungssumme soll alle Probleme lösen.
    Heinz Marecek ist endlich wieder auf die Bühne zurückgekehrt. Er spielt die Rolle des Handlungsreisenden grandios. Besonders im zweiten Teil gewinnt die Aufführung an Tempo und zeigt das schauspielerische Können der Mitwirkenden.
    Claudia Sabitzer, als seine Ehefrau Linda, ist wie gewohnt, eine große Charakterdarstellerin.
    Raphael von Bargen, als Sohn Happy, und Till Firit, als Sohn Biff, übertreffen einander an ihren Darstellungskünsten.
    Unter der Regie von Dieter Berner gehört das Stück zu den Höhepunkten des Volkstheaters.
    Das nüchterne Bühnenbild von Hyun Chu ist passend zu der vom Stück ausgehenden Atmosphäre.
    Das Publikum war begeistert und tat dies mit reichlichem Applaus und Bravorufen kund.

    Hannelore Halper
    "Die Virtuelle"
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    Halpern & Johnson

    von Lionel Goldstein
    Deutschsprachige Erstaufführung
    Premiere: 6. November 2008

    Kammerspiele

    Joseph Halpern - Otto Schenk
    Dennis Johnson - Helmuth Lohner
    Regie: Herbert Föttinger

    Im faszinierenden Bühnenbild, das aus leuchtendem goldenen Herbstlaub besteht, stehen zwei Männer. Der eine ist Joseph Halpern, der nach über 50 Jahren den Verlust seiner Frau Flo betrauert. Ein Fremder mit einem Blumenstrauß nähert sich dem Grab.
    Er stellt sich als Dennis Johnson vor. Halpern kennt ihn nicht, wundert sich über dessen Erscheinen und dass er Blumen - eine im Judentum nicht übliche Handlung - zum Begräbnis bringt.
    Nach der einzuhaltenden Trauerzeit treffen sich die beiden Herren zum Gespräch.
    Halpern macht die Erfahrung, dass es im Leben seiner Frau einen anderen Mann gegeben hat. Er gibt sich unfreundlich und aufbrausend. Johnson hingegen ist immer nobel distanziert. Er erzählt Halpern vieles aus dem Leben seiner Frau von dem dieser keine Ahnung hatte. Es stellt sich heraus, dass Florence, wie Johnson sie nannte, ihren Mann während der Ehe nie betrogen hatte. Halpern muss allerdings im Laufe des Gespräches zugeben, dass er mit einer Angestellten seiner Firma ein Verhältnis hatte. Zum Ende schließen die beiden Männer eine wunderbare Freundschaft.
    Dank der beiden grandiosen Darsteller ist das Stück ein Garant für eine 100 %ige Auslastung der Kammerspiele.

    Hannelore Halper
    "Die Virtuelle"
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    Die Judith von Shimoda

    Bertold Brecht
    Uraufführung
    Nach einem Stück von Yamamoto Yuzo, in Zusammenarbeit mit Hella Wuolijoki
    Rekonstruktion einer Spielfassung von Hans Peter Neureuter

    Theater in der Josefstadt
    Premiere 1. September 2008
    Besetzungsliste

    Unter der einfühlsamen Regie von Heribert Sasse und dem ansprechenden Bühnenbild von Amra Bergman beschert uns das Theater in der Josefstadt höchsten Kunstgenuss. Der amerikanische Konsul hat Mitte des 19. Jahrhunderts die Aufgabe, Japan den Freihandel aufzuzwingen. Die Gesetze verbieten es aber der Bevölkerung mit den Ausländern Kontakte zu pflegen. Auch die Einstellung von Personal scheitert an diesen Gesetzen. Der Konsul besteht darauf, dass ihm die Geisha Okichi zu Diensten sein soll. Okichi und die japanischen Behörden verweigern ihm dieses Ansinnen. Erst als er droht, Shimoda durch Kriegsschiffe angreifen zu lassen, wird Okichi von der japanischen Verwaltung gezwungen, die Stelle beim Konsul anzutreten. Obwohl sie sich vorerst weigert, den Ausländern, "die eine rosige Haut wie Schweine haben", zu dienen, überlegt sie schweren Herzens doch zuzusagen, um das Vaterland zu retten.
    Sie macht sich jedoch wegen ihres Verlobten schwere Gewissensbisse, da dieser ihre Vorgangsweise sicher nicht goutieren würde. Bei einer gemeinsamen Teestunde stellt sich aber heraus, dass auch Tsurumatsu, ihr Verlobter, bereits bestochen wurde. Die Behörden versprachen ihm eine Führungsrolle, viel Geld, einen Familiennamen und das Tragen eines Schwertes.
    Okichi kann mit ihren Diensten Shimoda vor den Angriffen der USA retten, wird aber dann vom eigenen Staat im Stich gelassen.
    Sie wird von der Bevölkerung als Ausländerhure beschimpft, verliert ihr ganzes Geld, betrinkt sich mit Saki und lebt als Straßensängerin.
    Eines Tages trifft sie Tsurumatsu, der ebenfalls total verarmt sein Leben fristet. Alle Versprechungen der Regierung sind nicht eingehalten worden. Die Beiden lieben sich noch immer und beschließen, zu heiraten. Tsurumatsu hat Arbeit als Schiffsbauer und Okichi fertigt für ihre Kundinnen kunstvolle Frisuren an.
    Einige Jahre leben sie glücklich und zufrieden bis ihre Ehe durch eine andere Frau jäh zerstört wird.
    Okichi verlässt ihren Mann, verfällt der Trunksucht und endet mit ihrer Selbstzerstörung.
    Mavie Hörbiger spielt ihre tragische Rolle überzeugend und ergreifend. Erich Altenkopf als Tsurumatsu, ist ein kongenialer Partner. Das bewährte Ensemble beweist seine hervorragenden Qualitäten.
    Wir haben einen großartigen Theaterabend erlebt und hoffen auf ein Wiedersehen mit der wunderbaren Mavie Hörbiger.
    Viel Applaus und Bravorufe.

    Hannelore Halper
    "Die Virtuelle"
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    Die Blinden, die Tauben und andere Geilisten

    von Franzobel
    Theater Drachengasse - Bar&Co
    Premiere am 3. November 2008
    Uraufführung - eine Produktion des European Grouptheaters

    Regie: Peter Wolsdorff
    Musik: Karl Hodina
    Es spielt: Ricky May

    In dieser ergreifenden und mit erschreckender Offenheit gezeigten Aufführung glänzt Ricky May als grandiose Darstellerin.
    Sie erzählt aus ihrem Leben als Wirtstochter, in dem sie echte Liebe nie kennenlernte. Ohne Intimsphäre, immer in Angst lebend und allen gehorchend, begleitet sie ein Leben lang der Gedanke an Selbstmord . Sie erzählt vom Vater, der dem Alkohol verfallen war und die Mutter misshandelte. Wir erfahren aus dem tristen Leben ihrer Oma und ihrer Mutter, von der Scheidung der Eltern, von ihren zwei Schwestern und dass es in ihrem Leben nur derbe Sprüche und sexuelle Belästigungen gab. Man kann sich den dargebotenen Gefühlen und dem starken Ausdruck der Darstellerin nicht entziehen. Unwillkürlich leidet und zittert man mit der geschundenen Gestalt.
    Eine einfühlsame Regie und die tiefgreifende Schauspielkunst von Ricky May machen den Abend zu einem anspruchsvollen Kulturerlebnis.

    Hannelore Halper
    "Die Virtuelle"
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