Inhalt dieser Ausgabe
Beruf:
Körper:
Geist:
Seele:
Speziell für Sie: Neu
 
 
 
 
Mit der Virtuellen ins Theater:


Alles über meine Mutter, Volkstheater

Alles über meine Mutter
von Samuel Adamson
nach dem gleichnamigen Film von Pedro Almodóvar
Deutsch von Frank Heibert
Deutschsprachige Erstaufführung
Uitdehaag/Kukulies/Landertinger/Zerz
Premiere: 11. September 2009


Volkstheater

Marcello de Nardo beherrscht an diesem Abend die Bühne Er ist unübertroffen in der Rolle als Transvestit Agrado. Mit Herz und Melancholie gewinnt er das Publikum.
Esteban, dargestellt vom sympathischen Simon Mantei, ist der Sohn von Manuela, der als Fan der berühmten Schauspielerin Huma Rojo, beim Versuch ein Autogramm zu ergattern, einem Autounfall zum Opfer fällt.
Manuela, die in Madrid als Krankenschwester lebt, macht sich nach dem Tod des Sohnes auf die Suche nach dessen Vater und begibt sich nach Barcelona. Ulli Maier als Manuela spielt überzeugend ihren Schmerz und ihre Liebe. Sie trifft auf ihrem Weg auf drei beeindruckende Frauen: ihre frühere Freundin Agrado, Huma Rojo und die Nonne Rosa.
Maria Bill als die große Diva Huma Rojo zeigt große Schauspielkunst. Sie kümmert sich rührend um ihre drogenabhängige Geliebte Nina. Als sie zum Abschluss aus der "Bluthochzeit" rezitiert, möchte man am liebsten gleich auch dieses Stück sehen. Manuela findet den Vater ihres Sohnes - in Frauenkleidern. Er hat die junge wohlbehütete Nonne Rosa geschwängert. Hervorragend in der Rolle ihrer besorgten Mutter - Vera Borek!
Der neue Erdenbürger wird Esteban heißen. Ein kleiner Trost für Manuela, die ihren Sohn Esteban verloren hat. Großartiges Theater unter der Inszenierung von Antoine Uitdehaag. Ein gelungener Start des Volkstheaters in die neue Theatersaison. Jubel beim Publikum!

Hannelore Halper
"Die Virtuelle"


Der Goldene Drache

Der Goldene Drache
von Roland Schimmelpfennig
Uraufführung

Akademietheater
Premiere 5. September 2009

Besetzungsliste: Ein junger Mann (der Großvater, ein Asiate, die Kellnerin, die Grille) Philipp Hauß Eine Frau über sechzig (die Enkeltochter, eine Asiatin, die Ameise, der Lebensmittelhändler) Barbara Petritsch Ein junges Mädchen (der Mann mit dem gestreiften Hemd, ein Asiate mit Zahnschmerzen, der Barbiefucker) Christiane von Poelnitz Ein Mann über sechzig (ein junger Mann, ein Asiate, die zweite Flugbegleiterin) Johann Adam Oest Ein Mann (die Frau in dem Kleid, ein Asiate, die erste Flugbegleiterin) Falk Rockstroh Regie: Roland Schimmelpfennig Bühne und Kostüme: Johannes Schütz Licht: Felix Dreyer Dramaturgie: Amely Haag

Diese Tragikomödie ist ein Feuerwerk an Schauspielkunst und Regieführung!

Die fünf Darsteller spielen sich furios durch die vielen klugen Szenen. Mann spielt Frau, jung spielt alt. Die blitzartige Wandlungsfähigkeit der Künstler ist atemberaubend.

In der engen Küche eines Chinarestaurants schreit ein junger Chinese vor Zahnschmerzen.
Ohne Aufenthaltsgenehmigung und ohne Geld ist ein Arztbesuch nicht möglich. Ein Kollege entfernt den Zahn mit einer Rohrzange. Der Zahn fliegt durch die Luft und landet in der Suppe, die für eine Stewardess bestimmt ist. Ihrer Kollegin vergeht daraufhin der Appetit.

Ein alter Mann steht am Balkon seiner Wohnung, die über dem Restaurant liegt. Urkomisch vollzieht sich die Wandlung vom jungen Mann zum Greis, der sich nichts sehnlicher wünscht, als seine Jugend zurück zu bekommen. Er bemüht die Grille, um sich sexuelle Befriedigung zu verschaffen und als dies nicht gelingt, misshandelt er das zarte Ding.
Die Grille macht alles, um Essen zu bekommen." Wirklich alles!" sagt auch die Ameise, die ihr manchmal für Arbeit Futter gibt.

Der junge Chinese ohne Zahn blutet. Er hoffte, im fremden Land seine Schwester zu finden.

Ein junges Paar erwartet ein Baby. Ungewollt. Damit ist die große Liebe dahin. Eine Frau verlässt ihren Mann und wollte ihn nie verlassen. Der Lebensmittelhändler entdeckt früh morgens die tote Grille, die sein Saufkumpan im Rausch ermordet hat. Der junge Chinese verblutet, ohne jemals seine Schwester gefunden zu haben.

Großartig ist die ungewöhnliche Erzählweise. Das Bühnenbild ist sparsam. Es braucht nicht mehr, da das Stück aussagekräftig genug ist. Trotz der tragischen Schicksale kommt der Witz nicht zu kurz - und gerade deshalb geht dem Zuschauer das Stück nicht aus dem Kopf.
Nicht enden wollender Applaus und ein Publikum, das einen bleibenden starken Eindruck mit nach Hause nimmt. Dieses Ereignis darf man sich nicht entgehen lassen!

Hannelore Halper
"Die Virtuelle"


Malerei des Biedermeier

Ausstellung vom 10. September 2009
bis 17. Jänner 2010

Wien Museum
Karlsplatz, 1040 Wien

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag und Feiertag,
von 9.00 bis 18.00 Uhr


Im Wien Museum schwelgt man in der Biedermeierzeit. Den Grundstock für die Meisterwerke bildet eine Schenkung des Fürsten Liechtenstein. Alle großen Maler dieser Zeit wie Friedrich von Amerling, Ferdinand Georg Waldmüller, Josef Danhauser, Peter Fendi, Rudolf von Alt, Thomas Ender, Rosalia Amon, Franz Schrotzberg u.a. sind hier zu bewundern.

Es entstanden zahlreiche Porträts. Das Familienglück wurde gerne gezeigt. Leute, die es sich leisten konnten, engagierten prominente Maler, um ihr Konterfei auf der Leinwand verewigt zu wissen.

Aber auch der Alltag der einfachen Leute wird dargestellt. Wir sind beeindruckt von den wirklichkeitsgetreuen Szenen, die uns Fröhlichkeit, Traurigkeit, sattes Bürgertum und bittere Armut vermitteln.

Durch die Wiener Porzellanmanufaktur entwickelte sich die Blumenmalerei. Das Stillleben war heiß begehrt. Wir bewundern die herrlichen Blumensträuße, die meistens noch mit irgendwelchen Beigaben versehen wurden. Manchmal ist ein Vogelnest, Obst oder auch eine Fliege zu erkennen.

Die Maler zogen hinaus in die Landschaft und malten naturgetreu mit einer Genauigkeit, die jede Fotografie übertrifft. Beim Anblick der Gemälde mit Baumlandschaften ist man versucht, jedes von ihnen Ferdinand Georg Waldmüller zuzuordnen. Erstaunt ist man dann, wenn auch andere Maler den gleichen Blick für die Schönheiten der Natur hatten.

Im Biedermeier entstand auch das Zimmerbild. Es zeigt das Mobiliar, die Dekoration der Räume und manchmal wirkt ein Bild, als wäre der Bewohner soeben aus dem Zimmer gegangen und hat manche Dinge so liegen gelassen, als käme er gleich wieder zurück.

Eine Ausstellung als Reise in die Vergangenheit. Wir können uns in die Bilder hineinträumen.
Das Wien Museum hat uns wieder einmal verzaubert!

Hannelore Halper
"Die Virtuelle"


Impressionismus

Wie das Licht auf die Leinwand kam
Ausstellung vom 11. September 2009
bis 10. Jänner 2010

Albertina
Öffnungszeiten:
täglich 10.00 bis 18.00 Uhr
Mittwoch 10.00 bis 21.00 Uhr


Die Impressionisten "entdeckten" das Licht. Sie waren Meister darin, die Lichtstimmungen auf die Leinwand zu bringen. Die Albertina zeigt nun eine umfassende Ausstellung mit einer umfangreichen Anzahl von Werken. Es sind Leihgaben des Wallraf-Richartz Museums & Foundation Coboud in Köln, die durch Werke der Albertina, der Sammlung Batliner und aus privaten Beständen ergänzt wurden.

Die berühmtesten der Impressionisten wie Monet, Renoir, Cézanne, van Gogh, Gauguin, Degas, Seurat, Signac usw. sind hier zur Freude der Kunstliebhaber ausgestellt. Die Maler fanden ihre Motive vor allem in der freien Natur. Das aufgewühlte Meer, die vorbeiziehenden Wolken, der Sonnenstand, Licht und Schatten kamen im momentanen Augenblick auf die Leinwand. Unter Mikroskop hat man sogar Sandkörner und Grassamen in den Farben gefunden und kann somit beweisen, dass sich der Künstler direkt vor Ort befunden hat, als er sein Werk auf die Leinwand brachte.

Der französische Maler Paul Signac zerlegte in seinem Gemälde "Capo di Noli" das Licht in einzelne Farb-Punkte, damit entstand die Kunstrichtung des "Pointillismus".

Die Gemälde sind Harmonie in Vollendung. Sie wirken durch die Vielfalt der zarten und berührenden Farben.

Besonders die technischen Neuerungen förderten die Impressionisten. In früheren Zeiten mussten die Farben selbst gerieben und gemischt werden und das wäre in freier Natur nicht so einfach gewesen. Als Chemiker viele neue Farben entwickelten, wurden diese in Farbtuben aus Zinnblech gefüllt, die heute noch üblich sind. Damit entwickelte sich ein eigener Geschäftszweig, der Farben in Tuben und vorbehandelte Leinwand verkaufte. Wenn die Maler ihre Rechnungen nicht begleichen konnten, gaben sie ein Gemälde in Zahlung. Dieses wurde ausgestellt und verkauft. Damit entstanden auch die ersten Kunstgalerien.

Zusätzlich können wir noch Malutensilien, Tanzschuhe aus dem Besitz Degas sowie seine Brille, die Farbpalette von Seurat, das Wollkästchen von van Gogh und die Staffelei mit Schirm sowie den Malkoffer von Renoux bewundern.

Es ist nicht nur eine reine Kunstschau, sie setzt sich auch mit dem neuen Malgefühl, verschiedenen interessanten Beigaben und Berichten auseinander.

Seinerzeit befand sich auch in Österreich eine größere Sammlung der Impressionisten, die aber während der Wirtschaftskrise der 1920er Jahren verkauft werden musste. Viele Stücke gelangten dadurch ins Ausland.

Eine unbedingt sehenswerte Ausstellung mit Seltenheitswert!

Hannelore Halper
"Die Virtuelle"


Karl der Kühne

Glanz und Untergang des letzten
Herzogs von Burgund

Ausstellung vom 15. September 2009
bis 10. Jänner 2010
Kunsthistorisches Museum

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag
von 10.00 bis 18.00 Uhr
Donnerstag bis 21.00 Uhr


Karl der Kühne lebte von 1433 bis 1477 und war der letzte Herzog von Burgund. Er gab seine schöne Tochter Maria Maximilian I. zur Frau und schaffte damit den Aufstieg in die Habsburger-Dynastie. Interessantestes Detail ist, dass Karl V., in dessen Reich die Sonne nie unterging, sein Urenkel war.

Wir erleben eine Nacherzählung der Geschichte des Fürsten, die Blüte der Kunst, der Absturz des Fürsten und der Aufstieg der Habsburger zur Weltmacht.

Karls Gier nach Macht und sein Streben nach Königswürde endete auf dem Schlachtfeld bei Nancy. Dort verlor er die Schlacht und auch sein Leben.

Die Schau beinhaltet 214 einmalige Kunstwerke und besonders kostbare Gegenstände aus dem 15. Jahrhundert. Sie setzt sich aus Leihgaben aus ganz Europa zusammen.

Wir bewundern kostbare Tapisserien. Eine acht Meter lange Tapisserie aus der "Burgunderbeute" der Schweizer von der Schlacht bei Murten ist besonders sehenswert. Ein sehr wertvolles Stück ist das "Georgs-Reliquiar" aus Lüttich. Karl der Kühne schenkte das Kunstwerk der Kathedrale von Lüttich. Im Vordergrund kniet Karl und hinter ihm steht sein Schutzpatron, der Heilige Georg. Die Kostbarkeit besteht aus Gold, Silber und Email.

Interessant und wertvoll sind der Löwenhelm und die Marienkrone, die mit wertvollen Edelsteinen besetzt sind und aus Gold und Silber bestehen. Ein kurioses Exponat ist die höfische Männerhandtasche aus Hirschleder und einem reich verzierten Messingbügel. Sie wurde am Gürtel getragen. Der goldene Herzogshut Karl des Kühnen ist ein Kleinod aus Perlen und Edelsteinen. Höfischer Prunk und die Pracht des Mittelalters hatten hier ihren Höhepunkt.

Neben Gewändern, Schwertern, Fahnen, Dokumenten und den außergewöhnlichen "Burgundischen Hofbecher" gibt es noch allerlei Interessantes zu sehen.

Nach Karls Tod besetzten die Französen Burgund. Die reichen Städte der Niederlande fielen an Österreich und somit an die Habsburger, welche damit die eigentlichen Erben der Herzöge von Burgund werden.

Mit dieser Ausstellung befinden wir uns mitten in der österreichischen Geschichte und haben noch nie Gehörtes und Gesehenes erfahren.

Diesen so interessant und anschaulich gestalteten Geschichtsunterricht darf man sich nicht entgehen lassen.

Unbedingt ins Sonntagsprogramm aufnehmen!

Hannelore Halper
"Die Virtuelle"


Jians Institute

"Tag der offenen Tür"
am 19. September 2009

in Jians- Institut

Zentrum für chinesische Kultur
Gesundheit und Bewegung

   

Univ. Doz. Jian LI, der Tai-Chi-Meister, Bewegungspädagoge und Tänzer aus Peking, öffnete wie jedes Jahr die Tore seines Instituts für das Publikum.

Viele Interessierte hatten sich eingefunden und ließen sich über das vielfältige Angebot des Instituts informieren.

Frau Dr. Jie Zhang hielt einen Vortrag über die Gesundheitsvorsorge durch Tai Chi und Qi Gong und erklärte uns, dass das Qi, die Lebensenergie, fließen muss, da sonst ernstliche Krankheiten entstehen können. Als Prävention empfiehlt sie uns, rechtzeitig und regelmäßig mit den Übungen zu beginnen. Frau Dr. Zhang steht auch in ihrer Ordination in 1030 Wien, Weißgerberlände 44-46/7 (Tel. 01 713 41 14) gerne zur Verfügung.

Das Kaufangebot im Institut erstreckte sich über chinesische Bewegungsausrüstung, Bücher und Musik. Ein reichhaltiges Repertoire stand und steht noch immer zur Verfügung. Als besonderes Angebot wurde dieses Mal auf zwei ganz spezielle Bücher hingewiesen.
Frau Mag. Silvia Barisch referierte ganz ausgezeichnet über die Bücher "Juden in Shanghai" von Prof. James Ross und "Exil China" von Horst Eisfelder. Beide Bücher wurden von Hannelore Halper, einer Kursteilnehmerin von Jians-Institut, übersetzt. Die Bücher behandeln das geschichtliche Thema der Vertreibung der Juden unter dem Naziregime. China war das einzige Land, das die Flüchtlinge aufgenommen hatte. Es wird damit das Leben der Vertriebenen in China und deren Schicksal geschildert. Das Buch "Exil China" enthält zudem noch 60 Originalfotografien aus dieser Zeit, die der Autor selbst geknipst hat.
Es wurde vom Unterrichtsministerium gefördert und wird auf der Buchmesse Wien im November 2009 präsentiert.

Im Programm ging es dann weiter mit den Vorführungen von Qi Gong und allen Formen von Tai Chi. Wir bewunderten die Exaktheit der gezeigten Tai Chi-Arten von Fächer über Schwert und Säbel. Mit Anmut und Eleganz zeigte Jian LI mit seiner Gruppe das erlernte Können.

Der große Meister lud alle Kinder und jene, die Kinder geblieben sind, zum "Gong Fu Panda" Tai Chi - Tanz ein. Es war eine kleine Kostprobe aus dem Projekt Agenda 21 und der Kulturförderung der Stadt Wien für Schulkinder. Wir konnten beobachten, wie auch ein schüchternes kleines Mädchen beim Tai Chi-Tanz mitmachte und immer gelöster und heiterer wurde.

Als Höhepunkt folgte der Tai Chi-Tanz "Wolkenhände". Es wurden Sonnenaufgänge und Regenbogen tänzerisch dargestellt und dunkle Wolken wurden mit den Händen vertrieben.
Jian LI choreografierte die Tanzeinlage. Es war eine Augenweide und wir haben uns ganz den graziösen Bewegungen, dem starken Ausdruck und der farbenfrohen künstlerisch geschwungenen Bänder hingegeben. Anschließend durfte auch das Publikum mittanzen.

Zum Abschluss wurde noch zum chinesischen Buffet gebeten.

Leider müssen wir wieder ein Jahr auf den nächsten "Tag der offenen Tür" warten, aber in der Zwischenzeit werden wir uns persönlich dem Qi-Gong oder dem Tai-Chi hingeben.

Hannelore Halper
"Die Virtuelle"


Gesundheitspreis

Beitrag zum Gesundheitspreis
der Stadt Wien

Jian Li (Jians Institut)

Tai Chi Tanz mit Kindern an einer
Wiener Schule in der Brigittenau

(Schul- und Integrations-Projekt
Agenda 21/Stadt Wien)


Am 11.11.2008 haben 60 Kinder unter Anleitung ihrer Kreativität und ihren inneren Phantasien freien Lauf gelassen.

Der Auftrag für dieses Projekt war für mich eine große Ehre und Freude. Nach einigen Jahren Tai Chi- und Qi-Gong-Kursen für Erwachsene in Österreich vermisste ich bisher die Arbeit mit Kindern, die ich für so wesentlich erachte.

In China war die Kindertanzpädagogik meine große Leidenschaft und mein berufliches Forschungs- und Betätigungsfeld. ( Universitätsdozent am Institut für Tanz und Bewegungserziehung an der Universität Peking, Autor wissenschaftlicher Werke über Bewegungspädagogik.)

Bei der Vorbereitung zum Unterricht war natürlich meine größte Sorge: Was würde den Wiener Kindern gefallen? Wie kann ich ihnen meine Erkenntnisse und Erfahrungen auf westliche Art beibringen? Mittlerweile bin ich Grenzgänger zwischen östlicher und westlicher Kultur und es war mir daher klar, dass Drill und choreografische Konformität wohl kaum erfolgreich sein würden.

Der Erfolg war ein dichtes, spannendes und abwechslungsreiches Programm.

Erster Programmpunkt war eine tänzerische Reise nach China. Auf den Spuren Marco Polos auf der Seidenstraße überquerten wir als Kamele unendliche Wüsten oder wir waren Fische im Wasser großer Flüsse.

Ziel dieser Aufgabe war es, die innere Kreativität der Kinder frei- und in Bewegung umzusetzen - natürlich ohne Vorgaben, wie denn "ein richtiges Kamel zu gehen hat". Um allen Kindern und ihren Stimmungen gerecht zu werden, wechselten statische Figuren (der Berg) mit bewegten (der Wind) ab.

Nachdem alle Kinder diese erste Aufgabe mit viel Energie und Spaß gemeistert hatten, verließen wir das Rollenspiel und "stellten uns selbst dar". Welche Bewegung, welche Pose "bin ich"? Wie ich erwartet hatte, war auch diese Sequenz für die Kinder leicht darzustellen.
Diese Übung diente der Hinführung zum Tai Chi-Tanz als Ausdruck des inneren Selbst, der eigenen Emotionen.

Tanz ist immer auch Kommunikation mit anderen und daher folgte auf die ersten individuellen Aufgaben eine Übung zu zweit. Als "Kung Fu Pandas" kämpften wir gegeneinander - Panda-mäßig gemächlich und daher ohne kampfsportlichen Charakter. Angriff und Verteidigung in Zeitlupe fördern durch die notwendigen kontrollierten Schritte Koordination und Gleichgewicht. Außerdem ist es der erste Ansatz hin zu vertiefter Atmung. Mit jedem Angriff nach vorn wird ausgeatmet und mit jeder Verteidigung nach hinten wird eingeatmet.

Gewonnen haben den Kampf alle Pandas, also alle Kinder!

Im folgenden Programmpunkt konnten die Kinder all das bisher Erlernte gleich in einem eigenen Tai Chi Tanz umsetzen. Unter dem Motto "Wer bist du? Wo bist du? Was machst du?" integrierten und kombinierten sie Rollen zu einem kleinen Tanzstück. Und wie immer, wenn ich mit Kindern arbeite, war ich begeistert von all der Kreativität, Phantasie und Leichtfüßigkeit, die in so kurzer Zeit entstanden sind.

Den Abschluss bildete das Tanzen mit Tüchern. Ich verwende extrem dehnbaren Stretch-Stoff (der üblicherweise für körperbetonte Ballkleider Verwendung findet). Er ist sehr hilfreich, um die für die äußere und innere Haltung so wichtige Spannung körperlich zu spüren, denn er liefert den nötigen wohldosierten Widerstand.

Eigentlich stimmt es ja gar nicht, dass wir mit Tüchern getanzt haben. Die Tücher wurden zur bunten Kulisse. Sie wurden zu Geisterwänden, Drachenhäuten, Gespenstern mit Händen, Klauen oder Flügel.

Zum Schluss verwandelten sich Geister und Fabelwesen wieder zurück in normale Kinder, die fröhlicher und ausgeglichener waren als vor unserer gemeinsamen Tanzstunde.

Die negativen Gefühle, bei Kindern äußern diese sich speziell in Formen von Schulängsten oder Schulsorgen. Tai Chi-Tanz trägt dazu bei, all diese Probleme zu vergessen, sich freier und stark zu fühlen. Heiterkeit und Selbstbewusstsein waren jetzt angesagt. Losgelöst und gestärkt konnten sie nun ihren weiteren Unterrichtstag mit wesentlich größerer Aufmerksamkeit folgen.

Die Kinder hatten leuchtende Augen, Freude an der Bewegung und am Erspüren der eigenen Körperlichkeit, das Experimentieren mit ihrem Körper und das Erleben der eigenen Phantasie.

Sie alle haben ihre Probleme weggetanzt und freuen sich auf die nächste Stunde.

Hannelore Halper
"Die Virtuelle"