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Was ist Naikan
Was passiert während einer Naikan-Schweigewoche?
Das Wesen von Naikan
Buchtipps
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Von Eva Laspas
Die DVD "Naikan - ein Weg der Versöhnung mit sich selbst", erschienen im Verlag Kamphausen (siehe Buchtipps) beantwortet uns die wichtigsten Fragen und überzeugt, selbst an diesem "Blickrichtungswechsel" teilzunehmen. Jörg Rötter zeigt in diesem seinem Film das Geschehen während des Naikan-Schweigeseminars und eindrucksvolle Interviews mit Teilnehmern sowie dem Leiter des ersten Naikan-Zentrums Deutschlands.
Was ist Naikan:
Naikan bedeutet so viel wie "Innenschau". Es ist eine Methode der Selbstbetrachtung, die vom Japaner Ishin Yoshimoto (1916 - 1988) entwickelt wurde und in den 80er Jahren zu uns gelangte.
Die Methode selbst ist denkbar einfach aufgebaut und erlernbar, die Resultate verblüffend. Es ist eine stille und intensiven Betrachtung der eigenen Lebensgeschichte. In dem man die eigene Lebensgeschichte aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, sieht man die Vergangenheit in einem völlig anderem Licht. Wo man sich schlecht behandelt oder gar vom Leben übergangen worden fühlt, erkennt man, dass man sehr viel erhalten hat.
Zur "Innenschau" gelangt man durch drei Fragen:
Was habe ich bekommen?
Was haben ich gegeben?
Welche Schwierigkeiten habe ich bereitet?
Dabei geht es um Tatsachen und Fakten und nicht durch allgemeine Haltungen oder Lebenseinstellungen. Dadurch verändert sich unser Blickwinkel, erstarrte Denk- und Verhaltensmuster lösen sich langsam auf. Man versöhnt sich mit der eigenen Vergangenheit.
Meistens ist der Blick auf die anderen gerichtet und man fragt sich "Was hat der oder der mir getan."
Doch bei Naikan ist diese - vierte - Frage ganz bewusst ausgeklammert. Wir sehen nur die Schwierigkeiten, die uns bereitet worden sind. Dass wir vielleicht anderen auch Schwierigkeiten bereitet haben, sehen wir selten.
Da wir eigentlich immer in dieser vierten Frage leben, ist es sehr sinnvoll, wenigstens einmal im Leben aus dieser Frage herauszutreten und sie wegzulassen. Das Heraustreten aus der Opferrolle fördert Naikan mit der ersten Frage "Was habe ich bekommen?" Dadurch lenkt es den Blick auf scheinbar Nebensächliches, selbstverständliche Kleinigkeiten - wie zum Beispiel dem Schulbrot, das die Mutter Tag für Tag schmierte.
Die Einsichten und Erkenntnisse nach einem siebentägigen Naikan-Schweigeseminar können unter anderem lauten:
Ich wurde mit meiner eigenen Verantwortung bewusst.
Ich konnte mich aus der Lethargie meiner Opferrolle lösen.
Ich wurde vom Leben viel reicher beschenkt, als ich dachte.
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Während der sieben Tage ziehen sich die Teilnehmer in eine Schweigeklausur zurück. Von sechs Uhr Früh bis 21 Uhr sitzen sie - mit Ausnahme von Mahlzeiten und kurzen Spaziergängen im Garten - alleine hinter Wandschirmen und konzentrieren sich auf einzelne Abschnitte ihres Lebens oder einzelne Bezugspersonen, wie Mutter, Vater, Geschwister und Lebenspartner.
Alle 90 Minuten kommt der Naikan-Leiter vorbei, wiederholt die drei Fragen, erkundigt sich und hört achtsam und ohne jede Bewertung einfach zu. Mit seiner Hilfe lernt der Übende sich gezielt erneut zu begegnen.
Diese Struktur finden Viele als sehr wichtig, weil uns unsere Gedanken oft auf Abwege bringen.
So bemüht man sich, wirklich etwas von dem Lebensabschnitt zu erinnern und zieht seine Gedanken von Alltagsverpflichtungen ab.
Naikan ist keine Therapie, es gibt keinen Therapeuten. Man möchte möglichst viele Aspekte der Vergangenheit erkennen. Die Methode hat nicht das Ziel, die Persönlichkeit des Menschen zu verändern. Es gibt auch keine Interpretationen, Dialoge oder Gruppenprozesse. Alles was geübt wird, ist eine neue Wahrnehmung.
Der Übende lernt, sich selbst aus den Augen seiner Mitmenschen zu sehen und dadurch sein Bild von sich selbst zu erweitern. Aussöhnung kann beginnen und eine sanfte Befreiung von Blockaden beginnt.
Schwierigkeiten, die Auftreten können:
es fällt einem nichts ein
man sitzt und quält sich
man kommt vom eigentlichen Betrachtungsthema ab
man rebelliert innerlich und lehnt sich auf
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DVD: Naikan - ein Weg zur Versöhnung mit sich selbst
v. Jörg Röttger
Verlag Kamphausen
ISBN 3899010671
€ 24,99
Dieses Buch bei Amazon.de bestellen
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Drei Fragen die die Welt verändern: Die Naikan-Methode im Kontext von Spiritualität und Psychotherapie
v. Dr. Detlev Bölter
Verlag Kamphausen
ISBN 3933496829
€ 17,50
Dieses Buch bei Amazon.de bestellen
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Rezensiert von Elisabeth Ratzer
Das Buch von Detlev Bölter - "Drei Fragen, die die Welt verändern" zum Thema Naikan möchte ich so beschreiben: Das Buch hilft uns, Bausteine zu sammeln um unser Verständnis für Naikan zu verbessern beziehungsweise wenn uns Naikan unbekannt ist, einen guten praxisbezogenen Überblick zu erhalten, was die Naikan Methode im Kontext von Spiritualität und Psychotherapie kann. Ebenso wird ein Einblick geboten, wie sie erfolgreich im Reha - Bereich bei Straftätern und Süchtigen angewandt wird.
Wer jedoch erwartet, daß es nun endlich eine entgültige Definition gibt, was Naikan ist, der wird in dem Buch verständlich darauf hingeführt, daß es keine Definition von Naikan geben kann. Wir erfahren, was im Naikan geschehen kann und nicht was Naikan ist.
Drei Fragen, die die Welt verändern beschreibt in sehr anschaulicher Weise einerseits sehr praxisnah, wie ein Naikan Retreat aussieht, was die Aufgabe eines Naikanleiters ist und was Naikan bewirkt. Weiters wird auch der Unterschied zur herkömmlichen Psychotherapien und Naikan als Therapiemethode für TherapeutenInnen und BeraterInnen beschrieben. Eine weitere im Buch sehr spannende Fragestellung ist auch: Wie läßt sich eine fernöstliche Therapiemethode in unseren Kulturkreis integrieren, wo es doch ganz konträre Denk- und Gesellschaftsstrukturen gibt? Worin unterscheidet sich Naikan von herkömmlichen Psychotherapien?
Hier fand ich es besonders spannend, das Vergleiche und Unterschiede zur Psychoanalyse, zur systemischen Therapie Bert Hellingers und zur Transpersonalen Psychotherapie C.G.Jung dargestellt werden.
Zusammenfassend möchte ich sagen, daß das Lesen dieses Buches für mich eine Bereicherung war. Sehr schön fand ich auch die ausgewählten Sprüche und Sinntexte u.a. von Khalil Gibran, Jidduh Krishnamurthi und Voltaire die neben den Kalligraphien am Anfang jedes Kapitels auch sehr zum tieferen Nachdenken angeregt haben. Das Buch "Drei Fragen die die Welt verändern" gibt Menschen für die Naikan ein unbekanntes Wort ist, einen guten Einblick in die Methode und ihre Wirkung und Naikan Geübten die Möglichkeit, ihre Erfahrungen von einer anderen Seite aus zu betrachten. Selbstverständlich ersetzt es nicht die persönliche Erfahrungen eines Naikan Retreats. An dieser Stelle möchte ich auch Franz Ritter für die Naikan Erfahrungen danken, die er mir ermöglicht hat.
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